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Pourquoi-Pas ? (1908)

von Christian Groth (1:100 Zvezda)

Pourquoi-Pas ? (1908)

Ich möchte euch heute die Pourquoi Pas ? von Zvezda in 1:100 vorstellen. Ich habe bereits hier auf Modellversium den Bausatz und die Geschichte des Schiffs kurz vorgestellt, daher spare ich mir hier, entsprechende Ausführungen zu wiederholen.

Während der Bauzeit ist dieses Modell zu meinem aktuellen Lieblingsmodell geworden. Einerseits sind reihenweise Ungenauigkeiten und Grate vorhanden, andererseits kann man das Modell sehr schön mit eigenen Mitteln aufwerten. Der gute Maßstab von 1:100 ist dabei sehr hilfreich.

Pourquoi-Pas ? (1908)

Im Einzelnen habe ich folgende größere Veränderungen vorgenommen:

  • Wasserstag unter dem Klüverbaum und Stampfstock aus Draht gelötet, damit es eine stabile Basis für das Vorgeschirr gibt
  • Nagelbänke an den Seitenverschanzungen selbst gebaut und angebracht. Diese fehlten im Bausatz völlig. Stattdessen sollte man einzelne Enden der Takelage z.B. an der Reling festknoten. Wo gibt's denn sowas?
  • Rund um die Masten Fußpunkte für Blöcke etc. aus Draht durch die Decks gebaut
  • Die Jungfern sind von Krick in 2,5 mm Stärke und mit Draht am Rumpf befestigt
  • Die Halterungen der Boote mit Draht verfeinert
  • Die Rahen mit Fußpferden und Jakstagen aus Messingdraht versehen
  • Alle Relings aus 0,5 mm Messingdraht gelötet
  • Selbstgebaute Wanten und Spannschrauben
Daneben wurden viele Kleinigkeiten leicht verändert.

Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)

Pourquoi-Pas ? (1908)

 

Bevor man den Bau beginnt, muss man sich einen eigenen Plan machen, wie man vorgehen will. Die Bauanleitung ist zwar ganz stimmig in ihren Abläufen, aber spätestens beim Takeln hilft sie nicht mehr wirklich weiter.

Da ich die vorhandenen Jungfern durch Holzteile von Krick ersetzen wollte, musste ich mir Gedanken über deren Befestigung machen. Beim Original sind die Jungfern mit Püttingeisen am Rumpf befestigt. Ich habe diese Püttingeisen mir Draht simuliert und durch den Rumpf gebohrt und dann von innen befestigt. Daher mussten die Jungfern vor dem Deckseinbau befestigt sein.

Vor dem Deckseinbau sollte man sich außerdem darüber klar sein, welche Belegpunkte für die Takelage etc. man an Deck haben möchte. Die Belegpunkte kann man kinderleicht aus Draht herstellen und dann durch das Deck hindurch befestigen, z.B. durch Verlöten. Das sieht man hinterher nicht, hält aber bombenfest.

Ich habe dann die Aufbauten zusammengesetzt, aber noch nicht auf den Decks befestigt. Danach kamen die selbstgefertigten Nagelbänke an die Reihe. Aus Platzgründen habe ich diese auch gleich in der Anfangsbauphase eingebaut, bevor die Decksaufbauten den Einbau zu sehr behindern. Mit den im Rohbau bereits fertigen Aufbauten habe ich zwischendurch immer wieder probiert, ob noch alles passt. Bilder der Nagelbänke habe ich in einem Buch gefunden, die

Anzahl der Belegnägel habe ich großzügig geschätzt.Sobald der Rumpf soweit fertig war, kamen die ersten Teile der Takelage dran. Dazu braucht man zunächst einen Takelplan. Darin wird festgelegt, welche Teile der Takelage man darstellen möchte und natürlich, wo die jeweiligen Enden belegt werden sollen.

Pourquoi-Pas ? (1908)

Bei der Takelung müssen fast immer gewisse Abstriche gemacht werden, ich habe mich daher für folgende Komponenten entschieden, die ich für notwendig halte:

  • Brassen
  • Schoten und Hälse
  • Fallen und Topnanten
  • Geitaue
  • Gordings
  • Wanten, Pardunen und Stage

Das hört sich erst einmal nicht so üppig an, reicht aber für eine ordentliche Darstellung vollkommen aus und benötigt auch schon haufenweise Belegpunkte.

Es ist ganz wichtig, sich im Vorwege darüber Gedanken zu machen. Das Schiff ist z.B. mit acht Beibooten ausgestattet, die teilweise über den Decks in Halterungen stehen. Wer z.B. zuerst die Masten stellt und mit Wanten versieht und vielleicht vorher noch die Boote angebracht hat, hat danach verloren, weil man nirgendwo mehr an das Deck herankommt.

Eine wirklich erprobte Methode ist, erst den Takelplan zu erstellen, dann auf dem noch weitgehend freien Deck die Enden der Takelage nach Plan belegen. Die Länge der einzelnen Enden kann man großzügig schätzen. Ich wickel danach alles auf Kaffeeumrührer aus Holz (gibt's massenhaft in jeder Kantine...). So muss man sich später nicht an Deck die Finger brechen, sondern kann bequem von unten nach oben takeln. Ich habe das so schon bei vielen Seglern mit Erfolg praktiziert.

Man muss dabei natürlich sehr aufpassen, dass es keine unheilbare Wuhling zwischen den einzelnen Fäden gibt.

Beim Takelplan gilt immer die Faustregel: Je weiter oben im Mast, desto weiter achtern wird belegt.

Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)Pourquoi-Pas ? (1908)

Pourquoi-Pas ? (1908)

 

Danach erst habe ich die Bootshalterungen und die Boote angebracht. An den Bootshalterungen wurden mit Draht Stangen angebracht, die später verhindern, dass Teile des laufenden Guts schräg von unten gegen die Boote drücken.

Überall dort, wo Blöcke verwendet wurden, habe ich einfach dünne Scheibchen von einem Rohr abgeschnitten und damit die Blöcke simuliert. Die kleinsten zu kaufenden Blöcke waren für die meisten Verwendungen noch zu groß und es sieht einfach nicht gut aus, wenn ein Block am Ende z.B. dicker als ein Mast ist.

Die Blöcke direkt an den Masten oder Rahen habe ich natürlich auch als erstes angebracht. Das ist wesentlich leichter, als das Gefummel an einem schon stehenden Mast. Auch solche Details sollte der eigene Takelplan bereits abbilden.

Nach dem Anbringen der Wanten ab der Marssaling kann der Mast dann endgültig gestellt werden.

Wenn alles gut vorbereitet ist, kann man bequem die einzelnen Enden des laufenden Guts durch die vorgesehenen Blöcke von unten takeln und erst mal lose hängen lassen. Jetzt deutlich erkennbare Überlängen kann man schon abschneiden.

Zwischendurch prüfe ich immer wieder, ob es in die Abläufe passt, Teile des stehenden Guts anzubringen oder Teile der Aufbauten oder die Beiboote endgültig anzubringen. Wer dieses Wechselspiel gut beherrscht, wird relativ einfach auch mit komplexen Takelungen fertig.

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Pourquoi-Pas ? (1908)

 

Anfängern empfehle ich aber ein anderes Modell als Versuchsobjekt, denn die Pourquoi Pas ist zwar noch im Handel erhältlich, aber nicht mehr an jeder Ecke. Hier bietet sich vielleicht ein leicht verfügbares und günstigeres Modell zum Üben an. Ich nenne bei dieser Gelegenheit immer gerne die große Constitution von Revell. Die drängt sich mit richtig viel Platz, einer nicht besonders komplexen Takelage und problemloser Verfügbarkeit als Übungsschiff förmlich auf.

Alle verwendeten Farben sind entweder von Revell Aquacolor oder von Vallejo. Leichte Alterungsspuren erfolgten mit stark verdünnten Brauntönen, Rostrot und Silber.

Insgesamt hat der Bau über 300 Stunden verschlungen, die ich jede für sich wirklich genossen habe. Ich kann das Modell daher wärmstens denjenigen empfehlen, die sich für die Segelschifffahrt interessieren und sich an einem an sich guten, aber nur rudimentär ausgestatteten Bausatz mal austoben wollen.

Christian Groth

Publiziert am 29. Mai 2014

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