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S.S. Dayrose

von Christian Bruer (1:700 Loose Cannon)

S.S. Dayrose

Zum Original

Die Tramp Dampfer des späten 19. und frühen 20 Jahrhunderts fuhren ohne festen Fahrplan je nach Angebot und Nachfrage Häfen an, um Ladung zu löschen oder aufzunehmen. Diese Art des Gütertransportes war in der damaligen Zeit weit verbreitet. Der typische Trampdampfer war darauf ausgerichtet, jegliche Art von Ladung aufzunehmen, die damals zu transportieren war. Die Schiffe variierten durchaus in der Größe, diese lag bei ca. 1.500 - 10.000 ts bei einer Länge von ca. 100 - 145 Metern. Der übliche Tramp Dampfer maß dabei ca. 120 Meter in der Länge bei einer Größe von ca. 4.500 ts! Die Schiffe unterscheiden sich dabei im Aussehen durchaus. Es gab unterschiedliche Deckformen, mit und ohne Vorkastell und Poopdeck, mit langem und kurzem Brückendeck, mit und ohne Schutzdeck usw.! Die Farbgebung der Schiffe orientierte sich an dem Schick der damaligen Zeit. Der Rumpf war oft dunkel, in Schwarz oder Grau gehalten, die Aufbauten dagegen eher hell in Beige oder Weiß. An den teilweise hohen Schornsteinen war oft das Wappen der Reederei angebracht, wie es heute auch noch durchaus üblich ist. Die Epoche der Trampschifffahrt wurde durch den ersten und zweiten Weltkrieg unterbrochen, und in beiden Kriegen spielten die Tramp Dampfer eine nicht unerhebliche Rolle bei der Versorgung des Britischen Mutterlandes. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich die Art des überseeischen Handels und die Epoche der Trampschifffahrt gehörte ab den 1960er Jahren zunehmend der Geschichte an. Das hier vorliegende Modell der SS Dayrose zeigt einen typischen Tramp Steamer der 1920 - 1940er Jahre. Die Dayrose wurde 1928 im Auftrag der Claymore Shipping Co. LTD. bei der Robert Thompson & Sons Ltd, Bridge Dockyard in Sunderland gebaut. Der 4.113 ts große Frachter hatte eine Länge von 115 Metern und fuhr im Auftrag der Reederei zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich und zwischen Karachi und dem Mittelmeer. Die Dayrose fuhr ab 1939 immer noch im Auftrag der Reederei im Rahmen der Versorgung Großbritanniens sowohl als Einzelfahrer als auch im Konvoi. Dabei wurde die ohne Begleitung laufende Dayrose am 15. Januar 1942 südwestlich von Cape Race von U-552 unter dem Kommando von Oberleutnant Erich Topp versenkt. Neben dem Master Arthur Frederick Newman verloren 37 weitere Besatzungsmitglieder bei dem Untergang des Schiffes ihr Leben. Vier Besatzungsangehörige wurden später von den US Zerstörern USS Ericsson und USS Stack gerettet.

S.S. Dayrose

Das Modell

Der Bausatz aus dem Hause Loose Cannon gibt die Dayrose recht gut wieder. Die Oberflächen der Bauteile sind zwar etwas rau, aber in der Qualität durchaus annehmbar. Der einteilige Rumpf mit Vorkastell, Brücken- und Poppdeck ist sauber verarbeitet. Die Ladeluken liegen separat bei, ebenso die Brücke und das hinter der Brücke befindliche Aufbaudeck samt Schornstein. An Kleinteilen liegen Boote, Davids, Lüfter, Masten und Kranteile der seitlich am Aufbau befindlichen Ladekräne bei. Ebenso beinhaltet der Bausatz zwei Geschützplattformen. Der Bau des Modells bereitete keine größeren Probleme, und der Schwierigkeitsgrad lag durchaus im üblichen Rahmen für ein Resinmodell. Nicht alle Teile des Bausatzes fanden Verwendung! Die Masten und Ladebäume z.B. tauschte ich gegen Messingrundmaterial. Die Fotoätzplatine für das Liberty Schiff aus dem Hause Toms Modelwork passt hervorragend und wurde daher am Modell verarbeitet. Ebenso fanden Türen von Lion Roar und Leitern von Toms Modellwork Verwendung. Einige der Winden waren beschädigt und mussten ersetzt bzw. repariert werden. Das ließ sich einfach mittels Plastikrundmaterial oder den Winden aus dem Programm von Battlefleet Models bewerkstelligen. An den Innenseiten der Bordwände im Bereich des vorderen und achteren Welldecks habe ich die Stützstreben wiedergegeben. Hierzu habe ich kleine Dreiecke aus dünner, dabei aber stabiler transparenter Kopierfolie ausgeschnitten und dort in regelmäßigen Abständen verklebt. Eine zeitaufwendige Arbeit, durch die sich aber ein sehr realistischer Effekt erzielen lässt. Als weiteres Detail habe ich das Ruder abgeschnitten und ein neues, mit Einschlag versehen wieder angeklebt. Ich verarbeite vor dem Lackieren so viele Bauteile wie möglich am Modell und versuche dabei möglichst modular zu bauen, um mir nachher bei der Detailbemalung nicht selber im Wege zu stehen und an diverse Bereiche nicht mehr heranzukommen! Die Masten sind hierbei sicherlich so eine Sache, schränken sie doch den Bewegungsraum für die Pinsellackierung des Decks ein! Ich habe mich trotzdem entschieden, die Masten bereits vorher zu montieren, um diese sauber ausrichten und fixieren zu können, ohne am bereits lackierten Modell mit Klebstoff hantieren zu müssen. Das gilt im übrigen für alle anderen bereits montierten Bauteile gleichermaßen! Dem Brückendeck habe ich eine neue Kompass- und Brückenplattform samt Stützen spendiert sowie der offenen Brücke ein Gestell für eine Segeltuchabdeckung. Die Reling an der Brücke erhielt eine Segeltuchabdeckung bestehend aus Weißleim, welcher mittels eines Zahnstochers an der Reling angebracht wurde.  Das Aufbaudeck wurde weitgehend aus dem Kasten gebaut, lediglich der Schonstein erhielt zusätzliche Dampfrohre und umlaufend drei gezogene Gussäste als Darstellung der dort angebrachten Halteleisten. Dem Schornstein habe ich zum Schluß noch eine fotogeätzte Abdeckung aus der Restekiste spendiert.

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Lackierung

Basierend auf dem einzigen mir zur Verfügung stehenden Foto der Dayrose aus Friedenszeiten, habe ich den Rumpf schwarz, die Aufbauten weiß und den Schornstein samt Masten und Ladebäumen ebenfalls schwarz lackiert. Vor der eigentlichen Lackierung erhielt das Modell eine Grundierung mit Primer von Alclad II. Der Primer trocknet extrem schnell und deckt hervorragend. Es ist jedoch mit Vorsicht zu arbeiten und ein breiter Sprühstrahl so wie eine zu große Entfernung zum Modell zu vermeiden. Da der Primer sehr schnell trocknet, hat er die Angewohnheit, eine leicht körnige Oberfläche zu erzeugen. Das ist bei einem Flugzeug, bei dem die geprimerte Oberfläche vor dem eigentlichen Farbauftrag leicht überpoliert werden muss, kein Problem, bei einem filigranen Schiffsmodell im Maßstab 1:700 aber schon! Der zweite Farbauftrag erfolgte mit Humbrol Weiß Nr. 34 über die Aufbauten und oberen Deckbereiche. Der schwarze Rumpf wurde mit Valejo Acryl und dem Pinsel lackiert, ebenso die Masten und der Schornstein. Die im Anschluss folgende Detailbemalung der Stahl- und Holzdecks erfolgte ebenfalls mit Valejo Acryl und dem Pinsel. Den eigentlichen Abschluss bildete dann ein Washing mit stark verdünnter graubrauner Ölfarbe sowie ein anschließendes Trockenmalen mit der Basisfarbe. Die Alterungsspuren am stark verwitterten Rumpf - was keine Seltenheit bei diesen Schiffen war - entstanden ebenfalls mittels Ölfarben.

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S.S. Dayrose

 

Das fertige Modell ist auf Ausstellungen Bestandteil des Dioramas "Liverpool Langton und Brocklebank Dock", welches als Gemeinschaftsarbeit von Frank Spahr, Guido Hopp, Torben Keitel und mir entstand.

Das Modell ist ein wichtiger Bestandteil für das Gesamtbild des Dioramas. Bedingt durch die Vielfalt auf dem Diorama, wird ein Modell auch dieser Größe allgemein nicht als einzelnes Element wahrgenommen, sondern geht im Gesamterscheinungsbild auf.

Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck des fertigen Modells wiedergeben und wie es sich im Gesamtkonzept darstellt.

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Christian Bruer

Publiziert am 02. Februar 2010

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