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Narvik Class Destroyer

Oder wie man vom Hölzchen aufs Stöckchen und aufs Steinchen kommt ...

von Frank Spahr (1:600 Airfix)

Narvik Class Destroyer

Nach bzw. noch während dem Bau meiner Harbin in 1:200 erstand ich auf ebay das Airfix-Zerstörerset, beinhaltend drei britische (Cossack, Hotspur und Campbeltown) und einen deutschen Zerstörer. Ich hatte sie alle als Kind schon mal gebaut und irgendwann vernichtet, jetzt wollte ich mal ausprobieren, was ich mit meinen heutigen Möglichkeiten daraus machen kann. Ich entschloß mich, mit dem deutschen Zerstörer zu beginnen, u.a. weil Guido Hopp mir freundlicherweise Ätzteile dazu zur Verfügung stellte. Im Lauf des Projekts verkomplizierte sich der Bau durch meine steigenden Ansprüche nicht unerheblich. Also, liebe Leute: Ich bin in diesem Spezialgebiet Anfänger, und dieser Bericht befaßt sich auch mit dem Weg, der manchmal das Ziel und öfters auch mal steinig ist. Vielleicht ging´s ja anderen Leuten mal ähnlich ...

Narvik Class Destroyer

Ursprünglich wollte ich frei vor mich hin bauen, aber bald erwachte das Interesse und ich suchte zuerst im Netz nach Referenzen. In ModellFan fand ich Engbertus Backers mehrteiligen Artikel über deutsche Zerstörer in 1:400, der schon einige gute Hinweise gab, und ich erstand den Band „Vom Original zum Modell“ über die deutschen Zerstörer von Koop und Schmolke. Ich benutzte von WEM das Set für Kreuzer und Zerstörer; dieses enthält Teile für je eine Prinz Eugen, Graf Spee sowie zwei Zerstörer. Darüber hinaus ein Basisset, das Reling, Niedergänge usw. enthält. Zudem kaufte ich ein Set Flugabwehrwaffen, da die Bausatzteile nach der Verwendung der Ätzteile den Eindruck beeinträchtigen würden und auch von der Anzahl nicht mehr paßten.

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Ich entschloß mich, Z 28 in einem späten Zustand (1945) zu bauen. Dieser Zerstörer war als Führungszerstörer gedacht und unterschied sich deshalb von den anderen durch einen zusätzlichen achteren Aufbau, in dem die Stabsbüros untergebracht waren; das Airfixmodell kommt, wie die Anleitung von WEM betont, diesem Schiff am nächsten. Also machte ich mich daran, das Modell anzupassen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Rumpf zusammengebaut und mich dazu entschlossen, kein Wasserlinienmodell zu bauen; ich hatte bereits die Aufbauten im Rohbau stehen und andere Vorarbeiten erledigt. Beim Bearbeiten der Aufbauten stellte sich heraus, daß die Ätzteile von WEM, obwohl ultrafein, teilweise noch zu groß sind (!). So sind die wasserdichten Türen deutlich zu hoch und mußten leider gekürzt werden. Auch die spinnwebfeinen Niedergänge habe ich teilweise in der Breite halbieren müssen, um eine Passung zu erreichen. Andere Teile empfand ich als nicht besser als das Bausatzteil, das war bei den zahlreichen Rettungsflößen der Fall. Ich habe mir von den Bausatzteilen Abgüsse gemacht, weil die dem Bausatz beiliegenden nicht ausreichten und diese dann verwendet.

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Einiges an Arbeit ging in die Änderungen der vorderen und achteren Aufbauen. Vorne mußten kreisförmige Plattformen für die 3,7cm-Zwillinge angebracht werden, achtern zeigen die Pläne seitliche Laufwege am Deckshaus entlang, die dem Bausatz fehlen. Und auf dem achteren Deckhaus stehen in kreisförmigen Brustwehren zwei Flakvierlinge. Ich weiß nicht, wie korrekt die mir in dem Buch vorliegenden Pläne sind, aber ich habe sie als Grundlage für meine Änderungen genommen.

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Um die Maße für die Flakstellungen zu erhalten, baute ich einen Flakzwilling und einen Vierling zusammen. Das war eine echte Erfahrung. Derlei feine und fummelige Ätzteile wie diese waren mir bislang noch nicht untergekommen. Selbst unter meiner Leuchtlupe sah ich nicht wirklich alles, was ich tat bzw. hätte tun müssen. Ich legte am achteren Aufbau die zwei ringförmigen Brustwehren um die Vierlinge an, die ich aus Zinnfolie herstellte, während die Brustwehr am Vorschiff aus Papier hergestellt wurde, das in Zyanoakrylat getränkt wurde. Den achteren Mast, der im Bausatz fehlt, ergänzte ich aus Stahldraht. Die Ankerketten sind die Ätzteile von WEM , bemalt mit Metalizer von Model Master.

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Bemalt wurde das Schiff mit Humbrol- und Revell-Emailfarben. Ohne Anspruch auf Korrektheit habe ich für die Decks Revell 57 und für die senkrechten Flächen Humbrol 127 gewählt. Die diversen eingetieften Fenster/Bullaugen wurden vorsichtig schwarz ausgemalt, wobei ich trotz aller Mühe natürlich ein paar Mal korrigieren mußte. Schließlich konnte ich die diversen Aufbauten am Schiff befestigen, etwa zu der Zeit, als ich auch die Schraubenschutze und Schrauben montierte. Ich entschied mich dazu, das Schiff auf einer Reihe „Balken“ aus Streichhölzern auf einem Brett aufzustellen. Und dann wartete ich erst Mal auf den rechten Moment für meine kleinen fotogeätzten Angstgegner.

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Eines Morgens war es dann soweit: Ich setzte mich daran, machte eine Liste von der benötigten Flak und begann, sie auszuschneiden, zurechtzubiegen und zusammenzukleben. Eine Arbeit, bei der man am besten im Zen-Modus fliegt und eine gute Atemtechnik sehr hilfreich ist. Brüllen, fluchen, herumhüpfen und die Fäuste gen Himmel ballen kann man dann getrost nachher ... Kurz gesagt, ich quälte mich durch diesen Abschnitt hindurch, bis ich genug Flak zusammenhatte. Unterm Strich sind sie einerseits immer noch zu groß, andererseits aber auch zu zweidimensional, und im Übrigen habe ich einige Teile übrigbehalten, die ich beim besten Willen nicht montieren konnte. Soviel dazu. Eins noch: Jeder, der daraus perfekte Flaks herstellen kann, hat meine tiefempfundene Hochachtung – ich bin noch nicht so weit.

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Bis auf die Relings befestigte ich alle Ätzteile und schloß den Bau soweit ab. Ohne Weathering sah das Modell noch nicht sehr gut aus, aber ich entwickelte eine Blockade, eine für mich typische Angst, mit dem nächsten Schritt alle bisher geleistete Arbeit zu verhauen. Also hörte ich mich um. Guido war wiederum so freundlich, mir das Weathering mit Wasserfarben zu erklären, das für mich den großen Vorteil der Korrigierbarkeit hat. Und zufällig kam ich mit Jim Baumann in Kontakt und es ergab sich sogar, daß ich ihn auf einer Englandreise besuchen konnte. Jim hat mir sehr geholfen und mir einige ausschlaggebende Tips gegeben in Sachen Ätzteile, Relings und Takelung.

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Ähnlich wie bei der Harbin ging dann alles recht schnell. Vor der Reise hatte ich das Modell schon mit einem matten Klarlack gespritzt, der die Übergänge weicher gestaltete und eine optimale Basis für die Wasserfarbe darstellte. Für den Rest der Arbeiten montierte ich das Modell mit etwas Dichtungskitt provisorisch auf die Bausatzständer, die ich wiederum mit Heißkleber auf eine Holzleiste befestigt hatte. So war ich in der Lage, das Modell zu bewegen und zu hantieren, und es lag sicher auf. Den endgültigen Ständer fand ich eines Tages im Baumarkt in Form einer Fliesen-Sockelleiste aus Granit. Die Auflager aus Holz wurden dort mit Sekundenkleber befestigt und das Schiff ganz zum Abschluß ebenfalls mit Sekundenkleber auf ihnen.

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Ich setzte mich als nächstes an das Weathering und korrigierte es so lange, bis es mir persönlich gefiel. Die Fotos geben es natürlich nicht genau wieder wie im Original, sondern eher etwas stärker, weil sie so vergrößert sind. Ich empfinde den Eindruck mit unbewaffnetem Auge als stimmig. Schließlich wurden die Zerstörer in der Endphase des Krieges intensiv und unablässig eingesetzt, ich schätze es so ein, daß da wenig Zeit für Schönheitsreparaturen war. Wenn es jemand besser weiß, glaube ich es ihm gerne.

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Danach brachte ich die Relings an. Ich hatte sie hellgrau vorgespritzt und habe sie dann vor der Montage auf Jims Rat hin mit einem wasserfesten Filzstift zur CD-Beschriftung an den Durchzügen schwarz eingefärbt, um den Unterschied zwischen den Relingsstützen und den Durchzugsdrähten wiederzugeben. Befestigt wurden sie abschnittsweise mit Sekundenkleber. Danach wurden die notwendigen Korrekturen an Bemalung und Weathering durchgeführt sowie eine weitere Schicht Mattlack aufgetragen, bis ich mich reif für die Takelung fühlte.

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Ich richtete mich nach dem Takelplan in dem Buch „Vom Original zum Modell“. Zuerst zog ich mir eine ausreichende Menge an Stücken Takelgarn aus einem schwarzen Gießast vor und optimierte meine Pinzette, um die flaumfeinen Fädchen fassen zu können. Sie wurden an einem Ende mit Plastikkleber benetzt und vorsichtig an die gewünschte Stelle angebracht. Mit etwas Übung ging das immer besser. Bislang hatte ich etwas Kleber an das andere Befestigungsende getan und den Überstand abgeschnitten, was schwierig und letztendlich unbefriedigend ist.

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Jims Tip war es, etwas Kleber an einen spitz geschliffenen Zahnstocher zu tun und mit diesem in einem Arbeitsgang den Faden anzudrücken und den Überstand abzuschmelzen. Mit etwas Übung ging das immer besser, obwohl es immer noch schwierig für mich war. Ich habe es bei einer gewissen Menge an Takelung gut sein gelassen, anhand der Vorbildfotos wäre dreimal so viel immer noch nicht ganz genug, aber dazu fühlte ich mich noch nicht reif.

Narvik Class Destroyer

Zum Spannen der Fäden wird eine Hitzequelle benötigt, oft liest man hier etwas von Streichhölzern. Jim empfahl mir Räucherstäbchen, die fortwährend leicht glühen und eine kontrollierbare Wärmequelle abgeben. Ich probierte das aus und mir wurde bald klar, wie heiß eigentlich der Rauch ist – die Fädchen rissen sofort, wenn der Rauch an ihnen vorbeiströmte. Schließlich benutzte ich dann doch ein zahntechnisches Aufwachsinstrument Nr. 1 (das goldene aus dem PK Thomas - Set), das ich über einer Spiritusflamme erhitzte und dann vorsichtig in die Nähe der Fäden brachte. Damit arbeite ich schon ziemlich lange bei Wachs-Spachtelarbeiten und gezogenen Flugzeugantennen, und deshalb ging es mir wohl leichter von der Hand. Aber die Räucherstäbchen riechen besser, besonders in meinem dunstgeschwängerten Keller ...

Narvik Class Destroyer

Schließlich montierte ich das Modell auf den Ständer und machte meine Fotos, natürlich nicht ohne dabei noch ein paar Macken zu entdecken, an denen ich mich seitdem noch nicht betätigt habe – aber bestimmt allerspätestens manana ;-)

Unterm Strich bin ich froh, dieses Projekt zu Ende gebracht zu haben und damit einen Einstieg in die kleinen Schiffe gefunden zu haben. Allein aus Platzgründen sind 1:600 oder 1:700 langfristig angenehme Maßstäbe, wenn ich auch gerne etwas größer arbeite.

Soviel zu den aktuellen Mitteilungen aus meinem Keller, in dem zur Zeit drei Flugzeuge sowie ein Segelschiff halbfertig stehen und ein Panzer auf den Baubeginn wartet.

Narvik Class Destroyer

  • Unterlagen: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Vom Original zum Modell. Die deutschen Zerstörer 1935-45, Bonn 1995
  • Engbertus Backer: Die deutschen Zerstörer „Z23“ bis „Z45“; Umbauten im Maßstab 1:400. In ModellFan September 2004 / November 2004 / Februar 2005
  • Detailsets: White Ensign Models: PE Sets Nr. 627 (Ultimate Kriegsmarine set 2), Nr. 633 (Ultimate Kriegsmarine Set 3), Nr. 623 (German Light AA Weapons).
  • Fotos: Nikon Coolpix 995 auf Stativ; Weißabgleich, manuelle Einstellung, Blendenvorwahl.
  • Danke Jim Baumann, Guido Hopp, Frank Ilse, Martin Kohring!
  • Frank Spahr

    Publiziert am 20. Juni 2005

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