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Marinekleinkampfmittel Seehund

von Christian Groth (1:72 ICM)

Marinekleinkampfmittel Seehund

Die Kleinst-U-Boote

Bis 1942 wurden Kleinst-U-Boote nicht als fronttauglich angesehen, weil sie mit nur ein bis zwei Torpedos ein zu kleiner Waffenträger und außerdem anfällig gegen schlechtes Wetter waren. Dazu kam ein zu kleiner Aktionsradius, man rechnete schließlich mit weiter wachsenden Einsatzräumen.

Am 23. September 1943 gelang es den britischen X-Crafts X6 und X7 das deutsche Schlachtschiff "Tirpitz" an seinem Liegeplatz in Norwegen anzugreifen und schwer zu beschädigen. Die "Tirpitz" war gut ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt. Dieser Angriff bewirkte ein Umdenken in der Beurteilung der Erfolgschancen deutscher Kleinst-U-Boote, zumal von wachsenden Einsatzräumen nun nicht mehr die Rede sein konnte.

Marinekleinkampfmittel Seehund

Zunächst wurde ein Plan für das Kleinst-U-Boot XXVII A "Hecht" ausgearbeitet. Dieses Boot sollte, wie die britischen Vorbilder, Haftminen am Ziel anbringen können und von zwei Mann Besatzung gefahren werden. Erst nach Abschluss der Konstruktionsarbeiten verlangte die Seekriegsleitung, dass alternativ zu den Haftminen auch Torpedos zum Einsatz kommen müssten. Das brachte einige Schwierigkeiten bei der geplanten Größe der "Hechte" mit sich.

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Im April 1944 wurde der Bau einer Serie Kleinst-U-Boote, die Minen oder Torpedos tragen konnten, beschlossen und der Auftrag an die Germania Werft vergeben. Verschiedene Konstruktionen, die alle dem "Hecht" in ihren Grundzügen ähnelten, wurden entwickelt, schließlich entstand der "Hecht"-Nachfolger XXVII B5 "Seehund", später Typ 127. Damit war ein ausgereiftes Kleinst-U-Boot entstanden, mit einer diesel-elektrischen Antriebsanlage aus einem 60 PS Büssing LKW-Diesel und einem 25 PS AEG Elektromotor.

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Über Wasser konnte bei 7 Knoten Fahrt eine Strecke von 270 Seemeilen gelaufen werden, mit zusätzlichen Außenbunkern sogar 500 Seemeilen. Getaucht konnte das Boot eine Strecke von 63 Seemeilen bei 3 Knoten Fahrt oder 19 Seemeilen bei 6 Knoten Fahrt durchlaufen. Damit waren die Unterwassereigenschaften als sehr schlecht anzusehen, die Boote sollten daher eher als Halbtaucher mit kleiner Silhouette eingesetzt werden.

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Die ersten Typen verfügten über ein einfaches Profilruder als Seitenruder, wodurch nur ein großer Drehkreis erreicht wurde. Der Einbau einer Kortdüse brachte keine wesentlichen Verbesserungen, die späteren Typen erhielten darauf hin ein Kastenruder mit zwei Flächen, das zwar den Drehkreis verbesserte, dafür aber zum Flattern neigte.

Im Ministerialprogramm war eine Fertigung von 1.000 Stück vorgesehen, die natürlich nie erreicht wurde. Ab 1945 bestand, neben allen Kapazitätsproblemen, vor allen Dingen ein großer Engpass bei den Akkus. Tatsächlich gebaut wurden 285 Einheiten, die nicht mehr alle zum Einsatz kamen.

Die "Seehunde" wurden ab Januar 1945 von Ijmuiden aus eingesetzt und erzielten nur geringe Erfolge gegen die alliierte Schifffahrt im Kanal.

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Das Modell

Das Modell besteht aus nur wenigen Teilen, die problemlos passen. Als Besonderheit habe ich mein Modell badewannentauglich gebaut. Das Bootsinnere wurde mit einem selbstgebauten Behälter mit Eisenschrot ausgestattet, die verbleibenden Hohlräume mit Kork ausgefüttert. So schwimmt das Boot in der richtigen Wasserlinie auf dem Kork und der Luftblase im inneren unter der Bootsdecke. Wenn man das Boot antippt und in starke Neigung bringt, geht es langsam ganz auf Tiefe.

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Der Anstrich ist nicht überliefert und trotz der nur kurzen Einsatzzeit ist das Boot kräftig verwittert.

Die Plastikhaube am Turm ist nur ganz schwach angeklebt, sobald mir irgendwann einmal ein passendes Klarsichtteil vor die Füße fällt, werde ich die geschlossene Turmhaube damit ersetzen.

Das Periskop war "serienmäßig" bei meinem Bausatz oben abgebrochen, ich habe es durch ein Stück Messingdraht ersetzt. Ansonsten ist das Modell so aus der Box entstanden.

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Insgesamt hat der Bausatz für rund 12.-- Euro viel Spaß gemacht. Als Referenzen habe ich den Original "Seehund" im Hamburger Schifffahrtsmuseum von Peter Tamm, das Internet und den Doppelband "Geschichte des U-Boot-Baus" von Eberhard Rössler verwendet. Viel Spaß mit den Bildern.

Marinekleinkampfmittel Seehund

Christian Groth

Publiziert am 10. März 2012

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