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Piper L-4 Grasshopper

Eduards Piper L-4 "Grasshopper"als Strip-down-Kit

von Frank Spahr (1:72 Eduard)

Die Entscheidung, dieses Modell zu bauen, wurde sehr spontan an der Tastatur meines Computers getroffen, es mag etwas latenter Masochismus mitgespielt haben. Ich benötigte Ätzteile von WEM für ein Schiff und kam mit diesen allein bei NNT Modellbauversand nicht auf den Mindestbestellwert. Also erstand ich die Neuauflage des T2-Tankers in 1:400 von Revell und diesen Kit, der im Preis deutlich heruntergesetzt war - vielleicht haben sich nicht so viele Leute daran getraut? Und im Gegensatz zu mehreren dutzend Bausätzen, die viele Jahre lang schon in meinem Regal reifen, wurde die Piper auch zügig in Angriff genommen. Ich kam bei anderen Projekten nicht weiter und benötigte etwas zum Dazwischenschieben. Ehrlich gesagt war ich mir nicht im Klaren darüber, ob ich den Kit überhaupt würde fertigstellen können; soviele Ätzteile zu einem Ganzen zu verbinden hatte ich noch nie gewagt.

Piper L-4 Grasshopper

Zum Original muß ich glaube ich nicht viel sagen; die Piper diente der US-Armee im Krieg als leichtes Beobachtungs- und Verbindungsflugzeug und wurde zum Urahn einer langen Reihe von Privatflugzeugen.

 

Nun steht dieser Bericht auf einer Site, auf der andernorts auch Jens Nissens scratch gebauter Fieseler Storch prangt, ein Meisterwerk erster Güte von einem der talentiertesten Modellbauer, die mir namentlich bekannt sind (und mit dem ich tatsächlich schon einmal gesprochen habe). Nun ist mir erst so richtig möglich, die Leistung dahinter zu würdigen. Chapeau, Don Blech!

Piper L-4 Grasshopper

Der Bausatz enthält einen Plastikbausatz der Piper L-4, von dem man aber nur einen eher kleinen Teil benötigt, sowie drei Ätzteilbögen und einen Film für das Instrumentenbrett, wie von Eduard gewohnt. Der Plastikbausatz ist eher so la-la, aber die Ätzteile sind ausnehmend schön und fein. Leider war eins der Bleche beim Verpacken an die Kartonunterlage getackert worden, wodurch die eine Tragfläche einen kleinen Schlenker hatte, aber ansonsten war alles in Ordnung. Die Anleitung ist klar, jedoch in Detailfragen nicht immer ganz deutlich, eben wie ich sie von Eduard kenne.

Piper L-4 Grasshopper

Zu Beginn spritzte ich die Bleche mit Spiritus ab, um sie zu entfetten (natürlich haben meine Schwitzehändchen später dann doch wieder jede Menge Angstschweiß hinterlassen). In Anbetracht der empfindlichen Teile ging ich genau nach der Bauanleitung vor und verzichtete darauf, Unterbaugruppen anzufertigen. Was die Werkzeuge angeht, so benutzte ich verschiedene X-ACTO-Messer zum Heraustrennen der Teile. Als Unterlage benutzte ich eine Glasplatte. Das Hauptproblem für mich war die Tendenz des Materials, sich beim Abtrennen zu verbiegen. Ich besitze keine Biegvorrichtung für Ätzteile und kann von daher auch nicht sagen, welche Vorteile diese bieten würde. Zum Biegen verwendete ich ebenfalls meine X-ACTO-Messer und Pinzetten. Als Klebstoff benutzte ich einen mittelfließenden Zyanoakrylatkleber, den ich oft mit Minipipetten aus dem Dentalhandel anbrachte. Meine große Leuchtlupe war absolut unverzichtbar. Die Arbeitsfläche war eine kleine Holzkiste für Tee, auf der zuerst schwarzer Karton und darüber die Glasplatte lagen.

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Den Bau begann ich mit dem Rumpf. Das Hauptteil wird verschiedentlich gefaltet und teilweise verstrebt, dann werden die Einbauten in den Rumpf getätigt. Ich spritzte den Rumpf Model Master olive drab, wie übrigens auch das gesamte Skelett der Maschine. Ich wich dabei von der Bauanleitung ab, die bestimmte Teile als Holz und Aluminium wiedergeben läßt, aber mich interessierte an diesem Kit grundsätzlich die Form, und die wollte ich betonen.

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Die beiden Sitze mit ihren Gurten sowie die anderen Einbauten wurden vorsichtig gebogen und bemalt und an ihre Plätze geklebt. Das Instrumentenbrett gefiel mir sehr gut, ebenso wie der Tank. Er ließ sich zwar nicht ganz leicht biegen, wirkte aber nachher umso besser. Die miniwinzigen Fußpedale sind entweder eingeatmet oder hinfortgeweht worden, ihr Fehlen belastet mich aber nicht sehr.

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Im übrigen halte ich beim Arbeiten mit Ätzteilen eine gute Atemtechnik für ausschlaggebend. Wer hier stets eine ruhige, sanfte und flache Atmung bewahrt, hat umso größere Chancen, die kleinen verflixten Mistkerle von zickigen Messingfitzeln zu einem erkennbaren Ganzen zusammenzubauen. Ein paar Wochen Meditation auf einem sturmumtosten Berggipfel könnten auch als sinnvolle Vorbereitung auf eine Bastelsitzung durchgehen...

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Nach dem Einbau kann der Rumpf geschlossen werden, und als nächstes wandte ich mich dem Heck zu. Hier gibt es gute Möglichkeiten, die Bauanleitung mißzuverstehen, die ich teilweise nutzte. Deshalb sieht der Übergang zum Seitenruder auch nicht optimal aus. Also hier bitte genau gucken und durchdenken! Und die drei diagonalen Verstrebungen im Rumpf in Schritt 5 verbogen sich beim Heraustrennen, weigerten sich, Kleber anzunehmen und verbogen und verkanteten sich bei zahlreichen Einbauversuchen, bis ich ein paar klare Worte fand und sie durch dünnen Stahldraht ersetzte.

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Diese und alle Ungenauigkeiten, Unsauberkeiten und anderen Fehler an meinem Modell sind dort, weil ich mir nicht zu helfen wußte, sie zu korrigieren. Sekundenkleber klebt nicht immer sofort so, wie er soll, und manchmal tut er das dann ganz plötzlich - zumindest bei mir. Meine Versuche, die Teile wieder auseinanderzutrennen, gelangen nicht nur nicht, sondern führten dazu, daß das ganze Modell anfing, sich zu verziehen, also beließ ich es dabei.

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Nachdem der Rumpf ab dem Brandschott bis zum Heck fertig vor mir lag, machte ich mich an die Tragflächen. Dieser Bauabschnitt erwies sich als leichter als erwartet. Die großen Hauptteile müssen ähnlich gefaltet werden wie ein Schiffsniedergang, alles ist nur größer und dadurch einfacher. Es gab natürlich noch Probleme, aber im großen und ganzen lief dieser Teil gut. Die ultrafeinen Verstrebungen an den Flügelspitzen stellten sich ähnlich renitent an wie die im Rumpf und wurden genauso ersetzt. Die über 20 Nasenprofile an den Tragflächen und die Längsverstrebungen aus dickerem Blech erforderten nur viel Geduld, nicht mehr. Schließlich konnten die Tragflächen mit dem Rumpf verbunden werden, und dabei brachte ich natürlich wieder etwas so durcheinander, daß ich es nicht korrigieren konnte.

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Nachdem der Hauptteil des Blechs verbaut war, wandte ich mich den Kunststoffteilen zu. Die Motorhaubenteile wurden mit einer feinen Säge von den Rumpfhälften abgetrennt, der Motorblock versäubert und mit einer dunklen Metalizerfarbe gestrichen. Er wurde an einer Häfte der Motorhaube befestigt, dann wurden beide Häften verbunden. Die Naht wurde mit Mr. Surfacer leicht gespachtelt und verschliffen, das Teil wurde ebenfalls in olive drab gestrichen und montiert. Nachdem die Motorhaube an das Brandschott geklebt war, machte ich mit dem Rest der Kunststoffteile weiter. Der Propeller gefällt mir immer noch nicht. Er sieht einfach nur schlecht aus.

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Ich habe ihn so gut es mir möglich war versäubert, würde ihn aber gerne gegen einen besseren austauschen. Über Tips freue ich mich. Das Fahrwerk wurde fast nach Bauanleitung gebaut, mit den Ausnahmen, daß ich die Verstrebungen unter den Tragflächen durch Draht ersetzte, der dünner und stabiler war als die Plastikteile. Auch benutzte ich das komplette Spornrad aus Kunststoff, weil mir das geätzte Teil einfach zu instabil aussah.

Piper L-4 Grasshopper

Schließlich stand meine kleine Piper vor mir und ich war ziemlich zufrieden. Was ich getan hatte, war nicht perfekt, aber ich hatte den Bausatz zumindest fertiggestellt. Ich machte meine Fotos und mich an den Baubericht. Erst dann stellte ich fest, daß ich in meiner Euphorie übersehen hatte, die Flammendämpfer über den Auspuffrohren zu montieren, und daß auch noch zusätzliche Verstrebungen unter den Tragflächen fehlten. Also machte ich mich daran, das in Ordnung zu bringen.

Piper L-4 Grasshopper

Naja, und dann zeigte es sich, was alles schiefgehen kann. Die Sache mit den Flammdämpfern lief noch ganz gut, bis die Motorhaube vom Brandschott abbrach und beim Wiederbefestigen plötzlich unsauber saß. Versuche, sie wieder zu lösen, führten zu beängstigenden Biegungen im Rumpf, also versäuberte ich die Naht und gab mich zufrieden. Alle Versuche, die zusätzlichen Verstrebungen unter die Tragflächen einzubauen, mißlangen, und dann fiel das Modell auch noch vom Tisch. Durch keinerlei aerodynamische Qualitäten gehindert, landete es auf dem Betonboden.

Piper L-4 Grasshopper

Das war der Moment, wo ich wirklich einen markerschütternden Brüller losließ. Es zeigte sich, daß "nur" der Pilotensitz sich gelöst hatte. Ihn wieder einzukleben, dauerte zwar nur etwas mehr als zehn Minuten, aber war eine der übelsten Basteleien, die ich je durchstanden habe. Es ist zwar alles sichtbar und prinzipiell zugänglich an diesem Modell, aber eben nur prinzipiell. Pinzetten verhakeln sich sofort und verbiegen dabei den Rumpf, Kleber läßt sich nur schwer anbringen - Schwamm drüber.

 

Jedenfalls beschloß ich, daß ich es hier mit einer Botschaft von oben zu tun hatte, die mir bedeuten wollte, daß jetzt aber nun wirklich genug war. Also steht meine Piper jetzt so da und bleibt auch so. Hinter Glas. Unangetastet. Außer vielleicht für einen neuen Propeller.

Also, wie sagt man so schön:

Liebe Kinder zu Hause vor den Bildschirmen - MACHT DAS NICHT NACH!

Und wenn Ihr es tut - Ihr wurdet gewarnt ...

Viel Spaß beim Basteln wünscht

Frank Spahr

Publiziert am 25. April 2005

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