WarbirdsMarkus Meurervon Making of (1:32 Revell)
PrologDer Urwunsch des Menschen fliegen zu können und die Faszination für die Luftfahrt haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Sparte der Warbirds im Plastikmodellbau einen so großen Anteil haben. Exemplarisch für die fliegenden Kisten stellen wir in diesem Beitrag den Zusammenbau eines zweimotorigen Nachtjägers vor und zeigen die Besonderheiten der Flugzeuge mit Kolbenmotoren. DefinitionDer englische Begriff „Warbird“ (dt. = Kriegsvogel) bezeichnet seit den 1970´er Jahren restaurierte Militärflugzeuge. In der Regel sind dies propellergetriebene Jagd- und Kampfflugzeuge aus den beiden Weltkriegen. Die Sparte in nur einem Stichwort beschrieben: „Wings´n`Guns“ ... und was ist eigentlich das Besondere an der Sparte Warbirds? Bausätze für Warbirds sind breit verfügbar. Dazu haben diese Flugzeuge einen besonderen Reiz, den heutiges Fluggerät vermissen läßt. Die Vielfältigkeit, farbenfroh mit einzigartig lackierten Vorbildern, wie sie nach den beiden Weltkriegen nur noch selten zu sehen waren und abwechslungsreich in Abnutzung, Verschmutzung und Verwitterung, bieten sie dem Modellbauer noch Raum für eigene Phantasie und innovative Arbeitstechniken. In Modellversium finden sich weitere Galeriebeiträge und Bausatzvorstellungen zur Heinkel He 219. VorbereitungWir beginnen wie immer mit der Vorbereitung für unseren Werkplatz (siehe Online-Kurs Beitrag 4 „Werkplatz“), öffnen den Karton und kontrollieren mit der Bauanleitung den Bausatz auf Vollständigkeit (siehe Online-Kurs Beitrag 3 „Vorbereitung“). Das ProjektDie Nachtjagd im Zweiten Weltkrieg hatte es mir schon immer angetan, nur traute ich mich eine Ewigkeit nicht als Modellbauer an dieses Thema heran. Vor allem die Heinkel He 219 mit ihrem recht speziellen Tarnschema schien mir trotz im Verlauf der „Karriere“ wachsender Erfahrung im Umgang mit der Sprühpistole immer eine Nummer zu groß. Nach einer im Rückblick eher verhunzten He 219 in 1:48 von Tamiya und zwei recht vorzeigbaren Versuchen in Gestalt der Junkers Ju 88 von Dragon bzw. ICM im gleichen Maßstab traute ich mich irgendwann doch an das Gesellenstück in Form der He 219 im Maßstab 1:32 heran. Die Wahl fiel auf den Bausatz von Revell, der einerseits vergleichsweise preisgünstig und andererseits problemlos auch für den Einsteiger zu bauen ist. Lediglich Platz sollte vorhanden sein, da das Modell mit 60cm x 60cm sehr groß ist. Ich entschied mich, das Cockpit mit Ätzteilen von Eduard aufzuwerten. Ich wählte den Gerätebrettersatz für die Heinkel He 219 A-7 und die entsprechenden Sitzgurte. Beim Betrachten der sehr stark vereinfachten Räder kam dann noch ein Satz Reifen in Form von Eduard Brassin hinzu.
Folgende Farben wurden verwendet: Hataka Schwarzgrau (Kabine), Mission Models Dunkelgrün, Grauviolett und Lichtblau (Außenlackierung) und Grau (Fahrwerk), AK Color Hell-Blaugrau (Wellenmuster), Tamiya Field Grey, Dark Green, Red Brown (Alterung / Drybrush) und NATO Black (Abgasspuren) sowie Mission Models Standard Rust. ZusammenbauWie immer begann der Bau mit der Montage des Cockpits. Hier waren dann auch gleich alle Metallteile zu verbauen. Diese wählte ich, da der Bausatz keine Decals für die Gerätebretter hat und ich als Cockpitmaler bislang nicht überzeugen konnte. Durch die großflächige Kanzel allerdings hat man später einen tollen Einblick, weshalb hier zu klotzen war. Zuerst lackierte ich die Plastikteile mit RLM 66. Anschließend kamen mit dem Pinsel die Details gemäß Anleitung und den hervorragenden Detailbildern der einzigen noch erhaltenen Maschine im National Air & Space Museum an die Reihe. Auf übertriebene Alterungs- und Abnutzungsspuren verzichtete ich, da das Flugzeug am Schluß einen zwar gebrauchten, aber nicht abgenutzten Eindruck haben sollte. Schließlich war die Zeitspanne des Fronteinsatzes für die He 219 recht überschaubar. Im nächsten Schritt kamen die Ätzteile an das Modell, was aufgrund der Anzahl etwas Zeit in Anspruch nahm.
Als einzige Zugabe legte ich vom Meßfunkersitz nach vorne mit dünnem Messingdraht links und rechts am Kabinenboden jeweils einen angedeuteten Kabelbaum. Abschließend habe ich per Trockenmalen mit einem Rostbraun von Mission Models manche Kanten betont.
Bis hierher waren keine Hürden zu nehmen, lediglich das Verarbeiten der Metallteile erfordert vereinzelt etwas Konzentration und eine ruhige Hand. Das Cockpit war nach einem ruhigen Wochenende inklusive fachmännischer Kommentierung unseres Jüngsten fertig zum Einbau. Die Passung der Baugruppe in den Rumpf war ebenfalls problemfrei. Sodann konnte ich mit dem eigentlichen Bau von Rumpf und Tragflächen fortfahren.
Im nächsten Schritt kam der Löwenanteil der Plastikmasse an die Reihe, nämlich die beiden Rumpfhälften sowie Tragflächenober- und Unterseiten. Der Rumpf paßte wie angegossen, nur bei der linken Tragfläche gab es ein wenig Verzug an der Unterseite, der aber nach dem Verkleben der Tragfläche nicht mehr zu sehen ist. Angesichts der Größe der Bauteile nicht immer selbstverständlich. Beim Zusammenbau von Rumpf und Tragflächen darf keinesfalls (!) vergessen werden, den Ballast gemäß Bauanleitung in Rumpf UND Triebwerkgondeln einzusetzen. Ich habe hierzu Bleischrot aus dem heimischen Angelladen verwendet. Ich empfehle, nicht sparsam zu sein, die Menge nach Anleitung reicht nach meiner Erfahrung nur knapp aus. Ich habe das erst nach Verkleben von Rumpf und Triebwerkgondeln bemerkt und mußte noch die Propellerhauben sowie das hohle Bugfahrwerkbein füllen. Bei den Hauptfahrwerkbeinen kamen nun nach der ohne Schnickschnack oder Alterung erfolgten Lackierung in RLM 02 die Brassin-Räder von Eduard zum Einsatz, die am fertigen Modell zudem für eine zusätzliche Standfestigkeit sorgen. Mit Aluminiumfarbe von Hataka lackierte ich meinen bewährten Messingdraht, um ihn dann nach den Bildern von der Museumsmaschine zur Darstellung der Bremsleitungen anzubringen. Die Baugruppen wurden abschließend nach Anbringen der kleinen Decals mit Hochglanzklarlack von Mission Models versiegelt.
Ein gewaltiger Vogel! Eine erste Ahnung davon, welche Farbmengen für die Fertigstellung erforderlich sein werden. Nun aber ans Eingemachte, nämlich das sogenannte Wellenmuster! Im Netz sowie im heimischen Regal finden sich zuhauf Modelle deutscher Nachtjäger, bei denen die Flecken in Grauviolett auf eine Grundierung mit RLM 76 aufgebracht wurden. Meist ist das korrekt, aber bei der He 219 war es ab Werk anders. Grundiert waren die Flugzeuge in RLM 75, darüber kam dann das markante Wellenmuster in RLM 76.
So ging ich das Thema an. Zunächst erfolgte eine Grundierung in Schwarz mit einer Schattierung in RLM 83 Dunkelgrün von allen Seiten. Anschließend wurde in mehreren Schichten transparent die eigentliche Grundfarbe RLM 75 Grauviolett lackiert. Diese im Grunde simple Tätigkeit dauerte durch die schiere Größe des Modells fast eine Ewigkeit. Nach Trocknung kam die Vorbereitung des Wellenmusters, welches ich nicht mit Schablone, sondern freihändig lackieren wollte. Als Orientierung nahm ich einen spitzen(!) weißen Buntstift und zeichnete mit sehr wenig Druck anhand von Originalbildern das Muster auf die Oberseite. Im Bild das Zwischenergebnis nach der Grundierung:
Was nun folgte, war eine zweitägige Übung in Geduld und Achtsamkeit. Für das Wellenmuster kam ausnahmsweise eine Emailefarbe von AK Interactive zum Einsatz. Die lassen sich sehr gut und präzise für feine Linien verarbeiten. Ich verdünne für solche Zwecke die Farben lieber etwas mehr als zu wenig, damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Am Ende des ersten Tages sah das Modell schon in Ansätzen nach einem Nachtjäger au
Anderntags wiederholte sich die Prozedur an Rumpf und Heck. Der auf dem obigen Bild zu sehende starke Kontrast zwischen den Farben war beabsichtigt und wird im folgenden abgemildert werden. Der folgende Lackierschritt war zur Abwechslung sehr schnell erledigt, ging es doch nur um das transparente Aufbringen mehrerer Schichten Mission Models RLM 76 an den Rumpfseiten und der Unterseite. In diesem Zuge wurde dann auch der starke Kontrast auf der Oberseite abgemildert, indem mehrere stark verdünnte Schichten RLM 76 als Filter hinzukamen. Mit Wasser verdünnt trocknen die Farben von Mission Models angenehm schnell, weshalb man zügig vorankommt.
Nach einer angemessenen Trocknungszeit brachte ich die Abziehbilder auf, die anschließend mit der üblichen Schicht Klarlack versiegelt wurden. Wie bei Revell gewohnt, ist die Verarbeitung absolut problemlos, nur bei den roten Linien zur Trittflächenmarkierung auf den Oberseiten von Rumpf und Tragflächen ist ein wenig Gefühl gefragt. Der Flieger war nun bereit für die dezente Alterung. Die führte ich mit sehr stark mit Spiritus verdünnten Tamiya Farben Field Grey sowie Dark Green aus. Hiermit betonte ich in mehreren Schritten die Konturen des Übergangs der Tragflächen zum Rumpf, die Motorgondeln sowie manche Panellinien. Ich vermeide das von anderen Modellbauern gerne ausgeführte Washing mit Ölfarben, um Blechstöße hervorzuheben. Bei mir sieht das immer unschön aus. Mit der Sprühpistole erziele ich für mich zufriedenstellende Resultate.
Dezente Schmauchspuren um die Mündungen der Bordwaffen waren das nächste Detail. Im ersten Schritt brachte ich schmale, sich von vorne nach hinten abschwächende Spuren in sehr stark verdünntem Red Brown von Tamiya auf. Diese zog ich minimal größer mit gleichermaßen verdünntem NATO Black von Tamiya nach. Exemplarisch gezeigt an den Mündungen der Flächenwaffen:
Den Abschluß der Lackierung bildeten die Abgasspuren an Motorgondeln und Höhenleitwerk sowie den untersten Teilen der Seitenleitwerke. Hier verfuhr ich analog zu den Schmauchspuren der Waffen, nur in etwas stärkerer Ausprägung. An den Motoren wurden die Bereiche hinter den Flammvernichtern ordentlich „verdreckt“:
Das Heck kam mit wesentlich weniger aus.
Sodann stand die Versiegelung mit Klarlack an. Hier reichten mir zwei Schichten, die erste mit Hochglanzklarlack von Mission Models, die zweite mit Satin Varnish von Vallejo. Nachdem der Lack ordentlich getrocknet war, entfernte ich die Masken der Kanzelverglasung:
Was noch verblieb, war das etwas fiddelige Anbringen der Funkmeßantennen an Bug und Heck. Diese Teile sind tatsächlich keine aus dem Zurüstmarkt, sondern die Plastikteile aus dem Bausatz. Die sind besser anzubringen und vor allem korrekt auszurichten als Metallteile und sehen am fertigen Modell maßstäblich gut aus.
Fazit:Ein schönes Projekt! Nach gut zwei Wochen stand sie nun fertig vor mir. Frau und Töchter nahmen die ausladenden Ausmaße des Modells mit Skepsis zur Kenntnis, der Sohnemann liebt sie. Nachtjagdtarnungen freihändig und ohne Schablonen zu lackieren hat definitiv seinen Schrecken verloren. Der arme alte Papa ist zufrieden mit seinem Erstlingswerk in der Darstellung des Wellenmusters. Und es juckt schon, die nächste „219‘“ anzugehen. Hier gibt es schließlich einiges an Anbietern und Maßstäben zur Auswahl:
Das Modell entstand im Gedenken an einen verstorbenen Modellbaukollegen, aus dessen Nachlaß der Grundbausatz stammt. Wie übrigens auch die im Artikel gezeigte Ju 88 G-6 mit der Kennung 3C+PN, die von Hansjochen Nester (1957 – 2023), noch begonnen wurde und die ich an Seiner statt fertigstellen durfte. Happy Modeling
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Material & Zubehör:
Farben Mission Models
Weitergehende Informationen und Bausatzvorstellungen zu diesen, aber auch weiteren Bausätzen finden sich u.a. in der Kit-Ecke von Modellversium. Coming soon ...
Making of Publiziert am 26. April 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |