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Ferguson TE-20 „Petit Gris“

(Heller - Nr. 81401)

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Produktinfo:

Hersteller:Heller
Sparte:LKWs
Katalog Nummer:81401 - Ferguson TE-20 „Petit Gris“
Maßstab:1:24
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2016
Preis:ca. 30,-- EURO
Inhalt:
  • 128 Einzelteile an 4 Spritzrahmen
  • 6 Gummireifen
  • 1 Decalbogen
  • Bauanleitung

Besprechung:

Das Original

In den 1930er Jahren entwickelte Harry Ferguson den Dreipunkthydraulikkraftheber, der bis heute  als essentielles Bauteil an nahezu jedem Schlepper zu finden ist. Mit dem „Dreipunkt“ kann jedes Anbaugerät, das mit den entsprechenden Aufnahmen ausgestattet ist, gehoben und gesenkt sowie gegebenenfalls über die Zapfwelle angetrieben werden, was eine enorme Arbeitserleichterung für den Landwirt ist. Die Erfindung des „Dreipunkt“ ermöglichte somit den Beginn der modernen Landwirtschaft mit einer rationellen, kraftsparenden Bewirtschaftung der Felder.

Nach gescheiterten Kooperationen mit anderen Traktorenherstellern gründete Harry Ferguson in Coventry die Ferguson Ltd, um den „Dreipunkt“ in einem nach seinen eigenen Vorstellungen konstruierten Fahrzeug verbauen zu können. Der „Petit Gris“ oder „Little Grey Fergie“ oder, wie die Werksbezeichnung lautete, TE 20, war sein erstes in Serie gebautes Modell und wurde zwischen 1946 und 1956 in 16 verschiedenen Ausführungen bzw. Motorisierungen hergestellt. Ab 1953 begann auch eine Lizenzfertigung bei Hotchkiss in Frankreich mit Zulieferteilen aus England. Von 1957 bis 1958 wurde der Traktor komplett in St. Denis hergestellt und hieß dann FF 30.

Angetrieben wurde der kleine Traktor meist von einem 28 PS starken Vierzylinder-Viertakt-Benzinmotor mit 2,1 Litern Hubraum der "Standard Motor Company". In dieser Ausführung (die auch das Modell darstellt) trug er die Bezeichnung TEA 20. Gegenüber der üblichen Motorisierung mit Zweizylinder-Dieselmotoren in dieser Leistungsklasse ist dies ungewöhnlich, war jedoch der Benzinsubventionierung für die Landwirtschaft in England während der Nachkriegszeit geschuldet. Mit diesem Motor (der übrigens in leicht modifizierter Form u. a. auch im Sportwagen Morgan Plus 4 verbaut war) erreichte der Traktor die recht hohe Geschwindigkeit von ca. 30 km/h.

Optische Merkmale waren die niedrige Bauform des kleinen Schleppers sowie die niedrige Sitzposition des Fahrers. An seinem Arbeitsplatz fiel die kurze Lenksäule und die spartanische  Instrumentierung auf. Gefahren wurde mit Handgashebel. Die sehr schmalen großen Vorderräder mit hohem Lenkeinschlag ermöglichten das Wenden fast auf der Stelle. Die Motorhaube war aus Aluminium gefertigt, eine Beleuchtungsanlage meist nur bei den Exportmodellen vorhanden.

Der „Petit Gris“ galt als sehr gute, vielseitige Konstruktion und war wegen seiner Anspruchslosigkeit und Robustheit überaus beliebt, so dass er insgesamt über eine halbe Million mal gebaut wurde. In der Lizenzfertigung in Frankreich entstanden zusätzlich ca. 50 000 Fahrzeuge.

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Der Bausatz

Lange hat man auf das Erscheinen dieses Bausatzes warten müssen: vor ca. 1 ¼ Jahren erhielt ich die erste Vorankündigung vom Versender meines Vertrauens. Seither wurde das Release wiederholte Male verschoben, aber jetzt halte ich die Schachtel voller Spannung in den Händen und bin neugierig, was sich darin verbirgt.

Rahmen A
Rahmen A

Rahmen B
Rahmen B

Rahmen C
Rahmen C

Rahmen D
Rahmen D

Die Reifen
Die Reifen

Nach Öffnen des - mit ca. 37 x 25 cm nicht nur gefühlt - überaus üppig dimensionierten Klappkartons findet man die vier in mittelgrauem Kunststoff sehr sauber abgeformten Spritzrahmen gemeinsam in einem Plastikbeutel verpackt. Fischhäute sucht man vergebens, die Formtrennähte fallen kaum auf. Allerdings sind Sinkstellen auf der der Haube zugewandten Seite des Kühlers und – hier besonders unangenehm – auf den Seiten des Haubendeckels sowie Auswerfermarken auf den Innenseiten der Motorhaube und der Schutzbleche zu finden. Klarsichtteile sind keine vorhanden, die Gläser der optional anzubringenden Scheinwerfer werden mit Decals dargestellt.

Motor- und Getriebeblock
Motor- und Getriebeblock

Tank, Armaturenbrett und der nach oben zeigende Auspuff
Tank, Armaturenbrett und der nach oben zeigende Auspuff

Die zwei unterschiedlichen Sitze
Die zwei unterschiedlichen Sitze

Kühlerteile, hier sind die Sinkstellen zu sehen
Kühlerteile, hier sind die Sinkstellen zu sehen

Sämtliche Teile sehen wir sauber und scharf nach aktuellen Standards detailliert. Einige Gestängeteile sind seeehr filigran ausgeführt, hier dürfte es zur Herausforderung werden, sie unversehrt aus den Rahmen zu lösen. Die Kühlerlamellen der Haube sind nicht durchbrochen. Allein die recht plumpen Nachbildungen von Verteilerkopf und Batterie lassen wirklich zu wünschen übrig. Die Motorhaube kann klappbar, die Räder können drehbar, aber nicht lenkbar gebaut werden. Auch der Dreipunkthydraulikkraftheber wirkt mit insgesamt neun Teilen authentisch und detailgetreu wiedergegeben.

Teile für die Motorhaube
Teile für die Motorhaube

Teile für den Dreipunkt, hintere Schutzbleche
Teile für den Dreipunkt, hintere Schutzbleche

Vorderradfelgen und Bremstrommeln
Vorderradfelgen und Bremstrommeln

Hinterrradfelgen
Hinterrradfelgen

Die Reifen aus relativ festem Vollgummi zeigen schöne, scharf wiedergegebene Profile. Trennnähte sind kaum wahrzunehmen.

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Alternativ sind Vorderradreifen für eine frühe oder späte Version des TE 20 dabei, genau so wie zwei unterschiedlich geformte Auspuffe und – wie bereits erwähnt – eine wahlweise anzubringende Beleuchtungsanlage. Hier allerdings fehlen Schluss- und Blinkleuchten, lediglich ein  Arbeitsscheinwerfer ist für den Heckbereich vorgesehen. Weiterhin sind ein extra Sitz samt Federung und ein Lenkrad vorhanden, um einen FF 30 zu bauen.

Die Decals

Der gerade mal 1,5 x 2,5 cm messende Decalbogen beinhaltet die zur Dekoration benötigten Abziehbilder, die sauber, aber mit leichtem Versatz und bis auf einen Herstellerschriftzug scharf gedruckt sind. Decals für Kennzeichen liegen keine bei.

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Die Bauanleitung

Mit insgesamt 59 Schritten führt die als 16-seitiges Heft beiliegende viersprachige Anleitung zum Bau des fertigen Modelles. Grundsätzlich sind die Zeichnungen übersichtlich, lediglich bei der Anbringung mancher Gestängebauteile würde ich mir aussagekräftigere Detailzeichnungen wünschen. Ergänzende Texte verdeutlichen manche Baustufen. Die Bemalungs- und Dekorationsanleitung für die beiden unterschiedlichen Versionen ist in Farbe gehalten. Allein der französische Text lässt darauf schließen, dass die Farbangaben sich auf die Heller-Farbpalette beziehen.

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Heller - Ferguson TE-20 „Petit Gris“

Darstellbare Maschinen:

Ferguson TE 20 in komplett grauer Farbgebung

Ferguson FF 30 in grau / roter Farbgebung

Anwendung:

Vom Aufbau her gut durchdacht, gestalten die naturgemäß zahlreich vorhandenen Gestängeteile den Bau nicht gerade anfängerfreundlich. Ein erfahrener Anfänger sollte aber damit zurecht kommen, den Schwierigkeitsgrad würde ich mit 4 von 5 festlegen.

Fazit:

Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht: das aus 128 Teilen bestehende, gerade einmal 12 cm lange Modell verspricht eine sehr gute Wiedergabe dieses kleinen Traktors. Einziges Manko sind der sehr einfach gestrickte Verteilerkopf, die unvollständige Beleuchtungsanlage und die mit Decals darzustellenden Lampengläser. Für den Kaufpreis sollten hier noch ein paar Klarsichtteile möglich sein. Vom Thema her ist der Bausatz auf jeden Fall eine Bereicherung im zivilen Bereich, fehlt es doch meiner Ansicht nach in diesem Modellbausektor etwas an Vielseitigkeit. Daher ist es zweifellos ein mutiger Schritt von Heller, mit diesem Bausatz eine völlig neue Sparte im Maßstab 1:24 zu erschließen. Absolut empfehlenswert!

Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass Heller diese Sparte erweitert und auch andere Hersteller sich hier anschließen, landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Basteltisch zu bringen. Vorbilder gibt es genug: neben den modernen Ackermonstern findet man auf Traktorentreffen liebevoll und historisch korrekt restaurierte Schlepper aller Coleur. Bekannte und unbekannte Fahrzeuge, Klassiker und Kuriositäten könnten als Modell das Bastlerherz erfreuen und so manche Vitrine bereichern.

Diese Besprechung stammt von Roland Kunze - 07. Dezember 2016

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