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Farman F.190

(S.B.S Model - Nr. SBS7010)

S.B.S Model - Farman F.190

Produktinfo:

Hersteller:S.B.S Model
Sparte:Flugzeuge Zivil
Katalog Nummer:SBS7010 - Farman F.190
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Resin, Vacu, ...)
Erschienen:2016
Preis:ca. 56 €
Inhalt:
  • 67 Teile aus hellgrauem Resin
  • 9 Teile aus klarem Resin
  • 8 Metallteile
  • 1 Platine mit Ätzteilen
  • 1 Stück Instrumentenfilm
  • 1 Decalbogen
  • Farbige Bemalungsanleitung
  • Bauanleitung in Schwarz-Weiß

Besprechung:

S.B.S Model - Farman F.190

Nachdem sich in den 1920er Jahren so langsam aber sicher eine kommerzielle Zivilluftfahrt entwickelt hatte, stieg auch der Bedarf an entsprechenden Flugzeugen. Die in den USA sehr erfolgreichen Typen von Ford und Fokker auf dem Sektor der einmotorigen Flugzeuge der Leistungsklasse von 200-300PS inspirierten den französischen Konstrukteur Henry Farman zu einem eigenen Entwurf. Die als Farman F.190 bezeichnete Maschine sollte von einem Gnôme-Rhone 5Ba "Titan" Sternmotor mit einer Leistung von 230PS angetrieben werden. Im Jahre 1928 wurde der Entwurf auf dem Pariser Aerosalon der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Ende des Jahres war ein erster Prototyp fertiggestellt und man konnte mit der Flugerprobung beginnen. Die Farman 190 war als Hochdecker in der damals klassischen Bauweise aus Holz mit Stoffbespannung hergestellt. Es gab zwar schon modernere Konstruktionen, jedoch wollte man die Stückkosten gering halten. 1929 wurden die ersten Maschinen an die Kunden ausgeliefert. Es gab zahlreiche Versionen, die sich im Wesentlichen nur durch ihren Motor unterschieden, sie wurden als F.190 bis F.199 sowie F.390 bis F.393 bezeichnet. Die Motoren kamen von Gnôme-Rhone, Renault, Salmson, Hispano-Suiza, Lorraine und von Farman selbst. Von der hier vorgestellten F.190 wurden 57 Stück gebaut, alle Versionen zusammen brachten es auf 158 Flugzeuge. Neben Frankreich gab es auch einige ausländische Betreiber, sowohl zivile wie auch militärische.  

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Farman F.190

 

Der Bausatz ist ein weiteres kleines, multimediales Wunderwerk aus der ungarischen Modellbauschmiede S.B.S. Models. Er besteht aus knapp 67 Teilen aus grauem Resin und neun weiteren, die klar gegossen sind. Hinzu kommen noch acht Metallteile und eine kleine Platine mit Ätzteilen. Die Detaillierung der Teile ist erstklassig, der gesamte Innenraum ist vollständig nachgebildet. Damit man später überhaupt etwas davon sehen kann ist eine der beiden Türen separat gegossen, so dass man sie auch im geöffneten Zustand anbauen kann. Der Gnôme-Rhone Motor ist ein kleiner Bausatz für sich und besteht aus nicht weniger als 17 Einzelteilen. Der Resinguss ist qualitativ sehr hochwertig. Die großen Teile weisen keinerlei Verzug auf, es gibt nirgends Löcher oder sonstige Defekte. Die Hinterkanten der Tragflächen sind hauchdünn und kerzengerade. Die Angüsse sind, wenn überhaupt vorhanden, sehr geschickt angeordnet mit minimalem Aufwand für den Modellbauer.

Wie schon gesagt, es gibt einen kompletten Innenraum. Das einsitzige Cockpit wird mit Sitzgurten und einem Instrumentebrett aus Ätzteilen ergänzt. Für das Passagierabteil sind ein paar sehr schön gemachte Sessel vorhanden. Leider ist durch den inneren Aufbau der Farman davon am fertigen Modell nicht mehr allzu viel zu sehen - trotz der klaren Bullaugen. Sämtliche Steuerflächen sind separat ausgeführt, so hat man bei der Gestaltung ein wenig Freiheit. Achtung, die Steuerhörner der Querruder sind im Bauplan falsch eingezeichnet, sie müssen an der Vorderkante der Ruder angebracht werden und nicht an der Hinterkante! Es fehlen eigentlich nur noch die Steuerseile. Die Stoffbespannung ist sehr überzeugend widergegeben. Die im Bausatz enthaltenen Metallteile sind den Verstrebungen für die Tragflächen vorbehalten. Bei denen für die Höhenleitwerke muss man noch kurze Drahtstücke anbringen. Die korrekte Ausrichtung aller Teile ist im Bauplan detailliert aufgezeichnet. Die Stoffbespannung ist sehr überzeugend widergegeben, außerdem gibt es stellenweise einige sehr schön gemachte filigrane erhabene und versenkte Details (Gravuren wie sonst üblich gibt es ja an dem Modell bauartbedingt nicht bzw. kaum). Der Motor ist ebenfalls sehr gut detailliert, das Abgasrohr ist am hinteren Ende hohl gegossen.  

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Mit dem beiliegenden Decalbogen lassen sich zwei Maschinen darstellen. Es handelt sich um die Farman F.190 Nr.31 mit der Kennung F-AJHZ, diese wurde im März 1930 von der "Air Service" in Dienst genommen. Sie spielte in der jüngeren Geschichte von Rumänien eine wichtige Rolle, dem sie vom rumänischen Militärattaché in Paris für eine geheime Misssion "ausgeliehen" wurde. Diese Mission bestand darin, einen Offizier sowie einen weiteren Passagier von Paris nach Bukarest zu bringen, der "Passagier", der erst im München zusteigen sollte entpuppte sich als der seinerzeit im Exil lebende Prinz Carol. Die Mission verlief letzten Endes erfolgreich, obwohl notorischer Spritmangel den Flug alles andere als problemlos machten. Hinzu kamen noch die nicht vorhandenen Überfluggenehmigungen für Ungarn. Als Dank für die geglückte Operation kaufte Carol, der am 8. Juni 1930 neuer König von Rumänien wurde, diese Maschine. Sie erhielt 1931 die zivile Kennung CV-RAC. 1932 wurde sie dann ins rumänische Militärmuseum überführt.

Bei der zweiten Maschine handelt es sich um die Nummer 38 mit der ursprünglichen Kennung F-AJLL und wurde Ende Januar 1930 bei der "Air Union Lignes d'Orient" in Dienst gestellt. Sie diente unter anderem zur Erprobung einer Liniendienststrecke von Paris nach Hanoi über Saigon. Der Trip dauerte vom 12. Februar bis zum 9. März 1930 und ging über nicht weniger als 16 Etappen. Das Flugzeug verblieb danach in Indochina, es wurde 1932 Teil der neu gegründeten Air Orient und verrichtete weiterhin seinen Dienst. 1938 wurde F-AJLL an den Aéro-Club d'Annam verkauft. Schon bald darauf wurde sie von der Armeé de l'Air konfisziert und der 1/596 zugeteilt. Die Maschine zerschellte, nachdem sie in einen Sturm geriet, an einer Bergkette des Annamitischen Gebirges. Sie befand sich gerade auf einer geheimen Mission und transportierte Unterlagen des Geheimdienstes über die von Japan besetzten Stützpunkte. Die Lackierung der Maschine ist nicht durch ein Foto belegt, jedoch kann man davon ausgehen, dass sie im damals üblichen Stil gehalten war, also Silber mit rotem Heck und orange-rot gestreiftem Bug.

Der Decalbogen macht einen sehr guten Eindruck und ist auf glänzendem Trägerfilm gedruckt. Die zugehörige Bemalungsanleitung ist auf einem separaten DIN A5 Blättchen gedruckt und enthalt leider nur generische Farbangaben ohne Zuordnung zu einem Hersteller oder Farbcode. Die übrige Bauanleitung ist ein einzelnes, fotokopiertes Blatt in Schwarz-Weiß. Die Skizzen sind einigermaßen verständlich, mir fehlt der genaue Verlauf der Steuerdrähte. Farbangaben gibt es keine, die Maschine im Pariser Luftfahrtmuseum (eine F.192) scheint mir innen hellgrau lackiert zu sein, evtl. auch silberfarben.

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Farman F.190

 

Darstellbare Maschinen:
  • Farman F.190 #31, F-AJHZ
  • Farman F.190 #38, Escadrille 1/526, Indochina 1941
Stärken:
  • Hervorragende Detaillierung
  • Erstklassiger Resinguss
Schwächen:
  • Keine Farbangaben für den Innenraum und keine eindeutigen Angaben bei der Außenlackierung
Anwendung:
  • Anspruchsvoll

Fazit:

Ein Bausatz, den man uneingeschränkt empfehlen kann. Der Preis mag mit 56 Euro für einen 1:72 einmotorigen Flieger recht hoch angesetzt sein, jedoch ist er angesichts der hervorragenden Qualität durchaus angemessen.

Weitere Infos:

Referenzen:

Eine sehr informative Seite über das Thema Farman 190 und die zivile Fliegerei der "Goldenen Ära" findet man auf der Seite von Michel Barriere: www.crezan.net. Außerdem gibt es in der französischen Zeitschrift Avions eine mehrteilige Typendokumentation zur Farman 190 und ihrer Varianten, beginnend in Ausgabe 177 mit einer Fortsetzung in den Heften 181-184.

Anmerkungen:

Den Bausatz auf der Homepage von SBS Model findet ihr hier:

 

SBS7010 - Farman F.190 "Armée de l'Air & Air Service" 

Weitere Artikel von SBS Model findet ihr in unserer Kit-Ecke.

Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 08. Juni 2017

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