Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Revell > Antonow An-2 "Colt"

Antonow An-2 "Colt"

(Revell - Nr. 04667)

Revell - Antonow An-2

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Flugzeuge Militär Modern
Katalog Nummer:04667 - Antonow An-2 "Colt"
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Juni 2011
Preis:ca. 15 €
Inhalt:
  • 3 Gießäste aus hellgrauem Kunststoff
  • 1 Gießast aus klarem Kunststoff
  • 1 Decalbogen
  • 1 Bauanleitung in Schwarz-Weiß

Besprechung:

Die An-2 (NATO-Code: Colt) ist der größte einmotorige Doppeldecker der Welt und mit rund 18.500 Exemplaren eines der meistgebauten Flugzeugmuster nach dem zweiten Weltkrieg. 1946 begannen im neu geschaffenen OKB Antonow in Nowosibirsk die Arbeiten an einem leichten Militärtransport- und Agrarflugzeug bis 1,5 Tonnen Nutzlast mit STOL (Short Take Off and Landing) -Eigenschaften. Antonow war bereits 1940 bis 1941 mit der Entwicklung von Mehrzweckflugzeugen für den militärischen und den landwirtschaftlichen Gebrauch nach dem Vorbild des Fieseler „Storch“ beschäftigt. Zu dieser Zeit hatte er das Konzept eines Doppeldeckers mit guten Langsamflugeigenschaften entwickelt, das jedoch abgelehnt wurde, da in der Sowjetunion nur noch schnelle Eindecker gebaut werden sollten. Bis Anfang 1946 musste er für die Projekt-Genehmigung kämpfen. Der Minister für Luftfahrtindustrie erteilte ihm schließlich den Auftrag unter der Bezeichnung Flugzeug T und Antonow erhielt die Erlaubnis zum Aufbau seines eigenen Konstruktionsbüros OKB-153. Das sowjetische Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und die Luftstreitkräfte stellten hohe Forderungen an die universelle Verwendbarkeit ihrer jeweiligen Version. Das Flugzeug sollte außerdem möglichst einfach zu fertigen sein. Unter anderem wurden die Fahrwerkräder von der Il-2 und der Sporn von der Tu-2 übernommen. Statt des mit 700 PS zu schwachen ASh-21 für die Agrarmaschine schlugen die Konstrukteure den nur für die Militärmaschine eingeplanten ASh-621R vor, was anfangs abgelehnt wurde. Den Erstflug am 31.08.1947 absolvierte der CX-1 genannte Prototyp mit dem stärkeren Motor. Die Entwicklung und der Bau des Prototypen erfolgte in Nowosibirsk unter strikter Geheimhaltung. Nach der Flugerprobung mit dem ASh-21 fiel die endgültige Entscheidung zugunsten des ASh-621R. Von 1949 bis 1963 produzierten das Werk 473 in Kiew und von 1966 bis 1971 ein Werk bei Moskau rund 5000 An-2.

Revell - Antonow An-2 "Colt"

Das Flugzeug erwies sich sowohl im Hochgebirge als auch über dem Arktischen Eismeer als sehr zuverlässig. 1960 begann das Flugzeugwerk PZL in Mielec in Polen mit der Lizenzfertigung der Maschine. Die höchste Jahresproduktion erreichte PZL 1973 mit 600 ausgelieferten Einheiten. Insgesamt 12.000 Maschinen verließen die Montagehallen bis zur Einstellung der Serienproduktion 1992. Bis 2002 wurden dann weitere An-2 in Einzelfertigung montiert. Die Volksrepublik China erwarb ebenfalls die Fertigungslizenz unter der Bezeichnung Fong Shu-2, heute Y-5, und hat von 1958 bis 2002 in zwei Werken rund 1100 Flugzeuge produziert. Es werden jährlich 10 bis 20 neue Maschinen ausgeliefert. Ausgerüstet mit einem Breitspurfahrwerk, Schneekufen oder einem Schwimmwerk (An-4) war und ist die An-2, auch "Anna" oder "Traktor der Lüfte" genannt, heute in vielen Regionen der Welt anzutreffen. Es entstanden neben der Transport- und der Agrarausführung mit einer Sprühanlage für Chemikalien spezielle Passagier-, Fallschirmsprungabsetz-, Feuerlösch-, Krankentransport-, Luftbild- und Kombiversionen. Mit ihrem starren Fahrwerk und den verspannten Flügeln besitzt die An-2 eine sehr große Stirnfläche - in Fluglage beträgt allein die Höhe mehr als 6 Meter - bei einer Reisegeschwindigkeit von 180 km/h. An-2 werden heute in Europa nur noch für Rundflüge und im Fallschirmsport eingesetzt.

Quelle: Revell

Revell - Antonow An-2 "Colt"

Der aus 93 Einzelteilen bestehende Bausatz ist eine Wiederauflge aus den Formen von Trumpeter, welche wiederum auf dem Bausatz von Bilek aufbauen. Die Gussqualität ist in Ordnung, an den kleineren Teilen gibt es etwas Grat. Zwar verfügt der Bausatz über feine versenkte Gravuren, viel mehr positives gibt es dann allerdings nicht zu vermelden. Die Oberflächenstruktur der horizontalen - im Original stoffbespannten - Tragflächen ist extrem übertrieben ausgeführt und stört den Gesamteindruck ganz erheblich wenn man sie unverändert lässt. Das sieht mehr aus wie eingestanzte Langlöcher, Meilen entfernt von der eher welligen Kontur. Die wellblechartige Struktur im Bereich der Tanks und der Vorflügel hat man gar nicht erst nachgebildet. Ernüchterung auch im Cockpit und im Fracht-/Passagierabteil. Letzteres ist mehr ein Detailvakuum, der vordere Bereich dafür eher plump ausgeführt. Das Instrumentenbrett ist mit versenkten Details versehen, aber selbst das Decal sieht besser aus. Alle anderen Elemente und Flächen im Cockpit sind glatt.

Revell - Antonow An-2 "Colt"

Der Motor ist ebenfalls recht rudimentär nachgebildet, eigentlich gibt es nur ein glattes Motorgehäuse und leicht strukturierte Zylinderköpfe, Stößelstangen und Zündleitungen - beide von außen gut sichtbar - sind nicht mal andeutungsweise vorhanden. Beim Propeller fehlen ebenfalls einige Details, wie z.B. die Vorrichtungen für die Einstellung des Blatteinstellwinkels. Die Klarsichtteile sind extrem dick und auch die sehr spezielle Form der Originalhaube ist nicht sonderlich gut getroffen. Eine wirklich einfache und schnelle Lösung für eine brauchbare Haube scheint es nicht zu geben, eine Möglichkeit wie man an die Sache herangehen kann findet man in diesem Artikel hier auf Modellversium.

Revell - Antonow An-2 "Colt"

Der 18 x 8 cm große Decalbogen ist wie gewohnt von sehr guter Qualität, sehr sauber und versatzfrei gedruckt. Es können drei Maschinen dekoriert werden: eine in Deutschland zugelassenen knallrot lackierte Maschine, sowie zwei getarnte Einsatzmaschinen der NVA und der damaligen Sowjetunion. Neben den Markierungen befinden sich auch einige Wartungshinweise auf dem Bogen. Die Revell-typische Bauanleitung führt in 26 Schritten zum Ziel. Die Skizze für die Bespannung ist nicht besonders aussagekräftig, ansonsten bleiben kaum Fragen offen. 

Revell - Antonow An-2 "Colt"

Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"
Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"Antonow An-2 "Colt"

Antonow An-2 "Colt"

 

Darstellbare Maschinen:
  • Antonov An-2, D-FONE, "Roter Baron", Air Albatros, Flughafen Essen-Mühlheim 2010
  • Antonov An-2, #469, Verbindungsfliegerkette, 1.Luftverteidigungs-Division, LSK/LV, NVA, Cottbus 1986
  • Antonov An-2, 1G5929, Red 03, VVS, Grossenhein 1992
Stärken:
  • Sehr guter Decalbogen
  • Relativ einfacher Zusammnbau (aus dem Kasten)
Schwächen:
  • Übersichtliche Detaillierung
  • Übertriebene Oberflächenstrukturen
  • Panzerglasartige Klarsichtteile
Anwendung:
  • Einfach, wenn man sich mit dem Gebotenen abfinden kann

Fazit:

Durch die Wiederauflage von Revell wird der Bausatz auch nicht besser. Was für Bilek, Italeri und Trumpeter gilt, kann hier nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden. Die schwache Detaillierung und die sehr unschöne Darstellung der Oberflächenbespannung und nicht zuletzt die grausigen Glasteile machen diesen Bausatz nur bedingt empfehlenswert.

Weitere Infos:

Referenzen:
  • Antonov An2: Annushka, Maid of All Work, Red Star Series No.15, Midland Publ.
  • Antonow An-2, DHS Nr. 07
  • Walk Around auf Primeportal.net
  • Walk Around auf Scalemodels.ru
Anmerkungen:

Für die An-2 gibt es einiges an Zurüstsätzen, die sind zwar für den Bilek/Italeri Bausatz gedacht, sollten aber auch hier mehr oder weniger gut passen:

Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 19. September 2011

Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Revell > Antonow An-2 "Colt"

© 2001-2020 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links | Blog