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Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

(Lüdemann-Modellbau - Nr. )

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

Produktinfo:

Hersteller:Lüdemann-Modellbau
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer: - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Resin, Vacu, ...)
Preis:ca. 35,00 €
Inhalt:
  • 44 Resinteile
  • 2 tiefgezogene Kabinenverglasungen (1 Ju 88-Verglasung; 1 Ju 288-Verglasung)
  • 1 Decalbogen
  • 1 Bauanleitung

Besprechung:

Vor einigen Jahren stieß ich im Internet auf Fotos eines ungewöhnlichen Ju88-Modells. Auf den ersten Blick sah es wie ein Passagierflugzeug aus. So wertete ich es erst einmal als „what-if“-Spielerei und habe die Sache nicht weiter verfolgt. Bis ich vor kurzem das Buch „Focke-Wulf Fw191 Kampfflugzeug und das Bomber B-Programm“ von Hans-Peter Dabrowski und Peter Achs in den Händen hielt. Darin sind gleich mehrere Fotos des Originals enthalten. Das Flugzeug gab es also tatsächlich. Also suchte ich im Internet wieder nach den Modellfotos – es handelte sich wirklich um das Modell der Ju88 V5 „Glasveranda“ in 1:72 von der Firma R.V. Resin aus Tschechien. Leider war dieser Bausatz nirgendwo zu finden. Doch schließlich bin ich fündig geworden. Luedemann bietet im Vertrieb über Modellbaustudio Rhein-Ruhr einen Resinbausatz der V5 „Glasveranda“ an.

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

Der Bausatz kommt in einem recht schlichten Karton. Die Seitenansicht auf dem Cover dient gleichzeitig als Vorlage für Bemalung und Decalplatzierung. Die Teile aus Resin sind, wie bei diesen Bausätzen üblich, gut in kleinen Plastiktütchen verpackt. Positiv fällt auf, dass die Angussäste recht klein sind, so dass hier nur noch wenig Arbeit notwendig ist. Die Oberfläche ist mit feinen versenkten Gravuren versehen. Leider auf der Unterseite der Tragflächen auch mit vielen kleinen Blasen. Diese zu entfernen dürfte ein schwieriges und aufwändiges Verfahren werden. Insgesamt ist die Gussqualität gut.

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

In der Bauanleitung sind zahlreiche Teile abgebildet, die wohl aus Metall gefertigt waren oder sein sollten. Ein handschriftlicher Hinweis besagt jedoch, dass diese Teile nicht zum Bausatz gehören. Schade, denn sie würden den Bausatz sehr stark aufwerten. (An dieser Stelle keimte der Verdacht, es könnte sich um eine Zweitauflage des R.V. Resin-Bausatzes handeln, bei dem die Ätzmetallteile dabei waren.)

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

Leider haben sich in den Bausatz einige kleine Fehler eingeschlichen:

Sturzflugbremsen: Dem Bausatz liegen die Sturzflugbremsen der Ju88 bei. Die V5 war jedoch ein Rekordflugzeug, bei dem auf unnötigen Ballast völlig verzichtet wurde, so auch auf die Sturzflugbremsen. Während der Umbauphase wurden zwar an der Maschine auch Sturzflugbremsen getestet, doch das waren die völlig anders strukturierten Bremsen der Ju288. Diese sollten in die Landeklappen eingefahren werden. Da das bei der V5 jedoch noch nicht möglich war, wurden sie bei den Strömungstests oben und unten fest an der hinteren Tragflächenkante vor den Klappen montiert. Anhand der Fotos kann man erkennen, dass die Form der Sturzflugbremsen während der Erprobung verändert wurde. Auf einem Bild ist jeweils eine Bremse oben und unten mit drei senkrechten Halterungen zu sehen, auf dem anderen je zwei Bremsen mit zwei Halterungen.

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Cockpit: Das Cockpit der Ju88 ist im Bausatz für eine vierköpfige Besatzung ausgelegt. Die V5 flog bei den Rekordflügen jedoch nur mit einer Zwei-Mann-Besatzung. Bei den späteren Tests werden es auch zwei, höchstens drei gewesen sein, da die Maschine über keine Bodenwanne verfügte. Somit ist der Klappsitz nicht notwendig und sicher nicht vorhanden gewesen. Der fehlenden Bodenwanne wird der Bausatz gerecht und so findet man auf der Unterseite die Gravur für die Einstiegsluke. Der Einstieg erfolgte jedoch nicht durch eine Bodenluke, sondern über die Tragfläche durch den linken hinteren Teil der Kabine. Ein entsprechendes Foto findet man in Quelle (2). Also ist die schöne Gravur fehl am Platz. Leider ist im Cockpit der Ju288-Attrappe kein Innenleben vorgesehen. Aber es müsste(n)  mindestens ein (mehrere) Sitz(e) vorhanden gewesen sein, da die Testpiloten der Kanzel eine guten Rundumsicht bescheinigten. Es muss also mal jemand drin gesessen haben. Ob die Steuerung der Maschine aus der aufgesetzten Kanzel erfolgt, ist mir leider nicht bekannt, ist wohl aber eher unwahrscheinlich.

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Leitwerk: Das Seitenleitwerk des Bausatzes zeigt die Ausgleichfläche am Ruder, die jedoch erst bei der A-4 auftauchte. Also verspachteln und ein gerades Ruder gravieren. Oder ein Teil aus der Restekiste verwenden.

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Motorgondeln: Die Motorgondeln sind dem alten Fahrwerk der Ju88 angepasst, wie es bis zur V5 Verwendung fand (es sieht dem Fahrwerk der He111 ähnlich). Sie enden vor den Landeklappen, wie ich es von der V1 und V2 kenne. Auf Zeichnungen ist bei der V5 jedoch die Motorgondel bis zur Flügelhinterkante dargestellt, wie sie mindestens ab der V6 gebaut wurde. Leider ist auf den Fotos, die mir zur Verfügung stehen, die exakte Länge der Gondeln nicht erkennbar, so dass ich bisher nicht klären konnte, ob Bausatz oder Zeichnung richtig ist.

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

Lüdemann-Modellbau - Junkers Ju 88 V5 „Glasveranda“

Der Decalbogen ist sauber gedruckt und umfasst lediglich die zivile Kennung für Rumpf und Tragflächen sowie geteilte Zeichen für das Seitenleitwerk. Die Decals sind superdünn und legen sich auch schon ohne Weichmacher wunderbar an die Modelloberfläche an.

Ein beigelegtes Blatt zeigt neben einem Foto der Maschine die Draufsicht für die Anbringung der Decals. Gleichzeitig werden Angaben zur Farbgestaltung der Maschine gemacht.

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Darstellbare Maschinen:
  • Junkers Ju88 V5 „Glasveranda“ D-ATYU in der ersten Umbauphase
Stärken:
  • Einziger Bausatz einer einmaligen und ungewöhnlichen Ju88
  • Feine versenkte Gravuren
Schwächen:
  • Detailfehler (Leitwerk; Kabineneinrichtung; Sturzflugbremsen)
  • Blasen im Resin, vor allem auf der Unterseite der Tragflächen
  • Fehlende Einrichtung für die Ju288-Kabinenattrappe

Fazit:

Trotz der nicht so herausragenden Qualität ein absolutes Muss für alle Ju88-Fans und alle Liebhaber ungewöhnlicher Flugzeuge. Der fortgeschrittene Modellbauer kann aus diesem Bausatz und zu diesem Preis ein schönes Modell bauen.

Weitere Infos:

Referenzen:
  • (1) Heinz J. Nowarra, Die Ju88 und ihre Folgemuster, Motorbuch Verlag Stuttgart 1987
  • (2) Hans-Peter Dabrowski / Peter Achs, Focke-Wulf Fw191 „Kampfflugzeug“ und das Bomber B-Programm, Stedinger Verlag Lemwerder 2011

Diese Besprechung stammt von Enrico Friedel-Treptow - 06. September 2012

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