Porsche 911 Carrera Targavon Matthias Reinshagen (1:24 Fujimi)
Restaurierungsobjekt
Der Targa ist Porsches Erfolgsgeschichte beim Thema ‘Open Air’. Über drei Modellgenerationen hinweg (1965-93) gab es diese Version mit herausnehmbarem Dachteil und festem Überrollbügel im 911-Sortiment. Für Design-Puristen war die Form mit der Abstufung zwischen Überrollbügel und Heckscheibe statt der fliessenden Dachlinie anfangs gewöhnungsbedürftig. Frischluftfans, die nicht auf das Erscheinen eines 911-Cabrios warten wollten (es kam erst im Modelljahr 1983), bot der Targa immerhin etwas mehr Luft und Sonne als ein 911 Coupé mit heruntergelassenen Seitenscheiben und Schiebedach.
Der Fujimi-Kit nach dem Vorbild des Targas der G-Serie erschien in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre in der Serie «Enthusiast Model». Auch Revell hatte ihn später unter dem Label «Revell Premium» baugleich im Angebot. Bei diesem Prädikat konnte der erfahrene Modellbauer akribisch ausgeführte Details an Motor, Fahrwerk und Cockpit erwarten. Fujimi bot in 1:24 alle Varianten der G-Serie an: Coupé, Cabriolet, Targa, Speedster, Turbo und ebenso die ab Werk angebotene Flatnose-Version des Turbo. Der Kit des Targa enthielt sogar eine Besonderheit, welche die meisten Hersteller von Kits und Miniaturen, gleich welchen Massstabs, bis heute nicht bieten. Carreras der G-Serie konnten nämlich mit den charakteristischen «Gullydeckel»-Felgen geordert werden. Man sah sie allerdings selten, weil die meisten Käufer gegen Aufpreis die schwarz-silbernen Fuchs-Fünfarm-Schmiedefelgen bevorzugten. Im Fujimi-Kit hingegen liegen die raren, gelochten Felgen bei – Kompliment!
Enthusiasten von grossartigen Autos im kleinen Massstab haben auch bei den anderen Details des Kits ihre Freude. So sind die Targa-typischen Bauteile (Überrollbügel, Dacheinsatz und gewölbte Heckscheibe) tadellos wiedergegeben. Mir ging leider beim Bau die Scheibe zu Bruch, der Rest lief glatt. Bei der Montage ist grosse Sorgfalt nötig, damit alle diese drei Teile des Targa-Dachs exakt und bündig passen. Die «Ziehharmonika»-Stossstangen mit Gummipuffern und aufgesetzten Blinkern wollen mit Präzision montiert werden. Das gilt auch für den ganzen Kit. Der beste Bausatz ergibt kein tolles Modell, wenn der Bastler schlampt. Um Zuffenhausener Finish bei der Verarbeitungsqualität zu erzielen, sollte man also üppig Zeit einplanen. Das ist definitiv keine Weekend-Edition!
Natürlich wartet Arbeit auch beim Cockpit. Weil die herausgenommene Dachplatte Einblick ins Innere gewährt, sollte das Auge etwas zu sehen bekommen. Es wurden die Mittelbahnen der Sitze und Türverkleidungen in der Art des damals beliebten Stoffs ‘Monaco’ bemalt, und zwar mit den Mittelbahnen in der Farbvariante steingrau/ siena/ marine. Das gibt einen schönen Kontrast zum dezenten Graumetallic der Karosserie (in der Porsche-Farbliste war der Ton als ‘Meteor Metallic/ LZ7Z’ aufgeführt).
Der Weg des gezeigten Modells nahm einen ähnlichen Verlauf wie manche Originale: Gebaut wohl um 1987. Irgendwann weggestellt, verstaubt, vergessen. Und neulich wieder hervorgeholt, zum Teil zerlegt und gründlich restauriert. Auch einen neuen Überzug mit Klarlack gab es (Acryl von Mr. Hobby Aqueous). Die Scheiben wurden poliert und mit Detailer versiegelt. Bei diesem Carrera dauerte die Wiederherstellung zum Fotomodell mehr als zwei Stunden. Aber die Mühe ist gut investiert, Neunelfer der G-Serie gelten als wertstabil ; - ) Nun ist der kleine Porsche wieder parat für viele entspannte Runden auf dem Schreibtisch. Denn die Räder sind natürlich beweglich. Und das herausnehmbare Dachteil lässt jeden Sonnenstrahl herein, wie beim grossen Original.
Ich habe es vermutet: Falls Sie sich über das Kennzeichen wundern, gibt es natürlich eine Erklärung. Es wurde nicht selbst gedruckt, sondern war tatsächlich als Variante auf dem Decalbogen vorhanden. In Japan hat man wohl sorgfältig recherchiert, welche Wortspielereien deutsche Autokennzeichen zulassen. Oder man stiess auf das Original mit dieser frivolen Nummer… Welche Summe der Fahrzeughalter des Originals bei der Stuttgarter Zulassungsstelle zahlen musste, um diese Wunschkombination zu bekommen – falls sie es denn gab – das ist mir allerdings nicht bekannt. Mein Resümee: Klare Empfehlung. Der Fujimi-Kit ist auch heute noch nicht von gestern. Wer ihn antiquarisch bekommen kann, solle zugreifen. In punkto Detailreichtum ist er der Revell-Neuauflage des 911 Targa mindestens ebenbürtig.
P. S.: Kennen Sie sich aus mit Porsche-Klassikern? Das ist der Fall, wenn Sie die eingebauten Fehler im vorgängigen Text entdeckt haben. Als da wären:
Matthias Reinshagen Publiziert am 04. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |