Toyota MR 2 (W2)"Mister Two"von Matthias Reinshagen (1:24 Fujimi)
Abkürzungen geben mitunter Anlass zum Rätseln: Was bedeutete wohl das Akronym «MR» für Toyotas kleinen Mittelmotor-Sportwagen, der in der zweiten Generation 1989-93 gebaut wurde? Das Internet liefert die Lösung: «Midship Runabout Two-seater» oder «Midengined Rearwheel-Drive Two-seater». Fans im anglo-amerikanischen Raum machten es sich leichter und deuteten den Typennamen als «Mister Two».
Das Auto erfreute sich auch in den Exportmärkten in den USA, Kanada und Europa grosser Beliebtheit. Das gut ausgebaute Händlernetz erleichterte dort den Vertrieb, und den Kunden waren Sportwagen aus dem Hause Toyota nicht unbekannt. Aus dem Vierzylinder-Mittelmotor mit 2.0 bis 2.2 Liter wurde beim MR2 je nach Land eine Motorleistung zwischen 133-170 PS geholt. In Japan wurde sogar eine Turbo-Version mit 245 PS angeboten! Damit wilderte der MR 2 schon fast ein bisschen im Supercar-Segment.
Der MR 2 wirkte dank seiner schnittigen Karosserie keinesfalls wie ein Low-Budget-Sportwagen. Die Form gefällt noch heute. Trendige Klappscheinwerfer, gerundete Formen, ein markanter Spoiler am Heck, zahlreiche Lufteinlässe – Kennern fällt eine gewisse Ähnlichkeit zum Lotus Esprit auf. Das T-Bar-Roof mit zwei herausnehmbaren, gläsernen Dachhälften hatte man so schon beim Chevrolet Corvette und Camaro gesehen (die Coupé-Version des MR 2 mit Stahldach war in Europa nicht lieferbar). Diese Bauweise sorgte im Vergleich zu anderen Cabriolet-Konstruktionen für die Stabilität der Karosserie.
Die Verwandlung zum Fast-Cabriolet war jedoch umständlich. Zunächst galt es, die Halterungen zu lösen, beide Dachhälften herauszunehmen, zum Schutz vor Kratzern in die mitgelieferten Taschen zu packen und diese dann hinter den Sitzen zu verstauen. Der Vorteil: Der (kleine) Gepäckraum blieb auch beim Offenfahren erhalten. Übertrieb man nicht beim Kurvenfahren, erwies sich der MR2 bis zum Grenzbereich als braver Genosse, gut ausbalanciert dank des Mittelmotors. Im Vergleich zur Konkurrenz (vor allem Fiat X1/9, Mitsubishi Eclipse und Mazda RX 7) war der Toyota MR 2 im Markt gut positioniert.
Das antiquarische Angebot an Kits ist heute ebenso überschaubar wie die Zahl der angebotenen Originale. Fujimi legte mit den 1:24-Bausatz einen solide gemachten Kit vor, der gefällt, aber nicht wirklich begeistert. Der MR 2-Fan freut sich an der tadellosen Wiedergabe der schön proportionierten Karosserie und an den perfekt gemachten Glasteilen. Sogar eine Schablone liegt bei, um die schwarzen Umrandungen der Dacheinsätze sauber zu lackieren. Sie lassen den Blick ins Cockpit zu, das viele Einzelheiten wiedergibt.
An der Vorderachse ist die Radaufhängung akkurat nachgebildet und ermöglicht lenkbare Räder. Aber weiter hinten wird es mau: Die Unterseite des Motors ist als Relief vorhanden, das geht in Ordnung. Aber statt Einzelradaufhängungen gibt es nur eine metallene Steckachse. Punkt, fertig. Da hätte man sich mehr Liebe zum Detail und ein paar Bauteile mehr gewünscht.
Dafür ist die Montage anfängertauglich und verspricht mit relativ wenig Aufwand ein passables Modell. Die Lackierung in Schwarz ist originalgetreu. Diese Farbe gebe ich meinen Modellautos sonst nie. Denn sie schafft es, camouflage-gleich die meisten Karosseriedetails zu schlucken und dafür Fussel und Fingerabdrücke umso besser zur Geltung zu bringen... Doch diese Modell war eine innerfamiliäre «Auftragsarbeit», so dass es keine andere Wahl gab. Die Schweizer Autonummer kam aus der Restekiste.
Resümee: Der verkleinerte Japan-Sportler von Fujimi überzeugt nicht auf der ganzen Linie. Schöne Karosserie auf der einen Seite, Sparsamkeit bei Motor- und Fahrwerkdetails auf der anderen. Wer diesen Kit kauft, macht nichts falsch, darf aber kein berauschendes Bastelerlebnis erwarten.
P. S.: Am Rande noch eine kleine Schweizer Besonderheit: Hierzulande gelten Autokennzeichen mit möglichst wenig Ziffern für vermögende Autofahrer als erstrebenswertes Statussymbol. Im Kanton Schaffhausen (dort ist unser schwarzes Fotomodell mit dem Kenneichen «SH» zugelassen), wurde bei der öffentlichen Versteigerung eines dreistelligen SH-Kontrollschildes bereits eine Summe von 200.000 Franken erzielt! Die Nummer ist nämlich an den Halter des Fahrzeugs gebunden und verbleibt bei diesem, auch bei einem Wechsel des Fahrzeugs. Dadurch werden Schilder zu einer Art Status- oder Vermögensgut, nicht nur zu einem austauschbaren Teile des Autos. Matthias Reinshagen Publiziert am 20. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |