Junkers J 2Der erste Ganzmetall-Jagdeinsitzervon Frank Barkhofen (1:48 RSS-Hobbis)
Beim letzten vollendeten Projekt des Jahres 2025 bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob mein Modell einer Junkers J 2 korrekt ist – aber es ist mir egal. Zumindest sieht sie aus wie eine J 2, und das ist mir wichtig!
Das VorbildNach dem ersten fliegenden Ganzmetallflugzeug der Welt, der Junkers J 1 (der Name J 1 bezieht sich hierbei auf die Junkers Nomenklatur, die spätere Junkers J 4 wurde auch unter ihrem militärischen Namen J.I bekannt) wurde der Nachfolger J 2 entwickelt, immer noch aus 0,2 mm Stahlblech gebaut und geflogen. Erst mit der nicht vollendeten J 3 erfolgte die Umstellung auf das leichtere Aluminium, was aber auch andere Verbindungstechnologien als das Schweißen beim Stahlblech erforderte.
Zurück zur J 2: Es gibt viele Unterschiede zwischen den sechs produzierten Flugzeugen, sogar bei der Spannweite. Ich kenne mindestens vier verschiedene Formen und Größen des Seitenruders aus den verfügbaren Fotos. Jede Zeichnung, die man sich ansieht, zeigt Unterschiede. Von einem wassergekühlten Mercedes D.II mit 120 PS angetrieben, war das Startgewicht mit cirka 1.100 kg letztendlich doch zu schwer für einen erfolgreichen Einsatz. Mehr zum Vorbild findet man bei Wikipedia.
Der Bausatz2024 erschien ein Bausatz der Junkers J 2 in 1:72 von RSS Hobbies aus Estland, der auch hier auf MV vorgestellt wurde. Der Hersteller ist auch auf Scalemates vertreten, so hatte ich höflich angefragt, ob auch ein Up-Scale auf 1:48 möglich wäre? Leider erhielt ich eine ablehnende Antwort, da ein Teil des Bausatzes aus Gießformen stammt und der Aufwand dafür sei für den größeren Maßstab zu hoch. Schade, aber verständlich. Monate später kam die Frage, ob ich noch interessiert sei? Eine Möglichkeit wäre eine limitierte Ausgabe eines komplett 3D-gedruckten Bausatzes, welche ich dann sofort bestellt habe.
Der BauDie relativ wenigen Teile (22) des Bausatzes waren gut vorbereitet, von den Druckstützen befreit und teilweise bereits verschliffen - ein sehr guter, selten gesehener Service. Der Bausatz bietet einerseits eine gute Grundlage, andererseits konnte ich so einige Details in meinem gewohnten Scratch-Stil hinzufügen. Wie bei vielen meiner Modelle entstand die Luftschraube aus Holz. Ein Hecksporn ist enthalten, aber die Anleitung empfiehlt, ihn mit Metall zu verstärken oder zu ersetzen, um das schwere Resin-Modell (mein fertiges Modell wiegt exakt 100 Gramm) tragen zu können. So habe ich den Hecksporn aus Holz und Metall nach Fotos neu gebaut. Aus Metall habe ich dann auch das Fahrwerk neu kreiert. Das toll verpackte komplette Fahrwerk in einem Stück hätte sicher das Modell getragen, ist aber aus Festigkeitsgründen sehr stark dimensioniert. Mein neues Fahrwerk aus gequetschten Messingröhrchen und -draht ist deutlich zierlicher, damit näher am Original, aber trotzdem robuster. Damit bin ich für den Transport zu Ausstellungen auf der sicheren Seite. Ebenso aus Messing habe ich dann noch den Überrollbügel, das Propellerlager, den Wassertank über dem Motor, Streben am Heck und das offene Ende des Auspuffrohres gefertigt. Ruderhörner und Frontscheibe sind ebenfalls selbst anzufertigen.
Das ZubehörSogar etwas Zubehör kam zum Einsatz: die Sitzgurte (im Kit nicht enthalten) stammen aus einem Set von Eduard/HGW, das frühe Spandau MG 08 von Gaspatch und die Decals für die Instrumente aus einem ANYZ-Set bzw. -Resten. Bei den wenigen Spannseilen halfen wieder die Spannschlösser von GasPatch Models.
Die LackierungNach einer sorgfältigen Grundierung habe ich das Modell mit der wunderbaren, aber leider nicht mehr erhältlichen Farbe "Blassblau" von Drooling Bulldog lackiert, aber auch Acryl-Lacquer von Mr.Paint und die Metallfarben von Alclad kamen zum Einsatz. Die im Bausatz enthaltenen Decals habe ich nicht benutzt, sondern alles mit Masken lackiert. Leider habe ich an einigen Stellen nicht sorgfältig genug geschliffen, so dass nun bei genauer Betrachtung hier und da doch noch feine Drucklinien erkennbar sind, aber ein perfektes Modell gibt es wohl nicht.
Zum Ende des Projektes hatte der Wettergott ein Einsehen und erlaubte die finalen Fotos trotz der dunklen Dezembertage draußen mit genügend Licht. Wie üblich kan man einen ausführlichen Baubericht bei Scalemates einsehen.
ReferenzenIch bin mir nicht sicher, ob dem Entwickler des Bausatzes dieselben Informationen zur Verfügung standen. Das Buch aus dem Aeronaut-Verlag "Junkers Aircraft of WWI Volume 1, Junkers J.1-J.4” war mir insbesondere mit recht guten Fotos eine große Hilfe.
Fotos aus dem Lichtzelt
FazitDer Bau hat Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich diese Nachbildung dieses frühen Junkers-Typs nun in meiner Sammlung habe. Durch den 3D-Druck sind nun Modelle möglich, auf die wir früher kaum zu hoffen wagten. Vielen Dank, Audrius! Wer auch an dem Bausatz interessiert ist, sollte aufgrund der "Limited Edition" vielleicht nicht zu lange warten. Denn dass jetzt einer der großen Hersteller diesen Typ in Spritzguß auflegt, bleibt extrem unwahrscheinlich.
Frank Barkhofen Publiziert am 17. Januar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |