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Fairey Gannet AS.1

816. Sqadron, HMAS Melbourne, Royal Australien Navy 1967

von Andy Hartung (1:72 Revell)

Fairey Gannet AS.1

Eigentlich wollte ich schon lange eine Fairey Gannet bauen, nicht zuletzt, weil mich damals das Cover der Erstauflage sehr angesprochen hat. Da jedoch viele Projekte im Stash liegen, habe ich nie gezielt danach gesucht. Die Wiederauflage zu Beginn des Jahres lieferte schließlich den passenden Anlass, mich doch intensiver mit diesem Flugzeug auseinanderzusetzen.

Fairey Gannet AS.1

Die Gannet selbst empfand ich immer als ausgesprochen exotisch. Mit den drei tropfenförmigen Cockpithauben und dem großen Abgasrohr im Rumpf fällt dieser U-Boot-Jäger definitiv auf. Zudem hat sich das Flugzeug als Erstausstattung der deutschen Marineflieger einen festen Platz gesichert, auch wenn ich mich letztlich gegen die bundesdeutsche Variante entschieden habe.

Fairey Gannet AS.1

Zum Bau

Bereits im Vorfeld habe ich mich ausführlich über den Bausatz informiert. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Revell aktuell die Nase vorn hat und die betagte Form von Frog endlich abgelöst wurde, während auch Trumpeter nicht ganz mithalten kann.

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Wie inzwischen üblich, habe ich zudem geprüft, was der Aftermarket bietet, um noch mehr Details aus dem Bausatz herauszuholen. Dabei war jedoch Vorsicht geboten, denn Eduard hat PE-Sets sowohl für die Trumpeter- als auch für die Revell-Variante entwickelt. Dummerweise waren die Sets für Revell nahezu überall vergriffen, mit Ausnahme eines Onlineshops aus Italien. Dort habe ich letztlich auch bestellt … manchmal muss man eben ein wenig verrückt sein.

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Nach wenigen Tagen traf der Umschlag mit den Teilen bei mir ein, und der Spaß konnte endlich losgehen. Nach einigen Special-Hobby-Flugzeugen war dies seit langer Zeit wieder einmal ein Modell von Revell, weshalb ich eigentlich einen schnellen und entspannten Bau erwartete.

Fairey Gannet AS.1

Das Projekt begann im Innenraum. Eine Bodenplatte, auf der Fahrwerks- und Bombenschacht angebracht werden, bildete die Grundlage. Darauf folgten Sitze und Instrumente. Da ich hier überwiegend die bedruckten PE-Teile verwendet habe, mussten die entsprechenden Oberflächen zuvor blank geschliffen werden. Das ist immer ein Schritt, der ein wenig weh tut – vor allem, weil es danach keinen Weg zurück mehr gibt. Bevor die PE-Teile im Innenraum angebracht wurden, habe ich diesen zunächst in Dunkelgrau lackiert.

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Fairey Gannet AS.1

 

Nachdem die Farbe getrocknet war, habe ich die Sicherheitsgurte angebracht und ein leichtes Chipping beziehungsweise ein Wash durchgeführt. Allein aufgrund der Fülle an Details durch die PE-Teile habe ich mich bereits zu diesem Zeitpunkt entschieden, die Cockpitverglasung geöffnet darzustellen. Als Gegengewicht brachte ich zudem rund 10 Gramm Gewicht in der Bugnase unter, dass dies eine Fehlkalkulation war, sollte sich später noch zeigen.

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Nun konnten die Rumpfhälften miteinander verheiratet werden. Insgesamt war die Passgenauigkeit hier gut, lediglich im Bereich des Radars musste etwas nachgespachtelt werden. Die Flügel bildeten anschließend die nächste Baustelle, wobei die Neugestaltung der Fahrwerksschächte am meisten Zeit in Anspruch nahm. Hier waren nämlich zahlreiche, wenn nicht sogar die meisten PE-Teile vorgesehen.

Letztlich entschied ich mich dazu, die Landeklappen eingefahren darzustellen. Theoretisch sind alle Ruder beweglich ausgelegt, doch da der Bausatz nicht mehr ganz taufrisch ist, findet sich stellenweise etwas Flash, was eine saubere Bewegung erschwerte.

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Nachdem die Flügel angebracht waren, widmete ich mich dem Waffenschacht. Schade finde ich, dass die Details hier doch zu wünschen übrig lassen, gerade die Innenseiten der Klappen wirken sehr nackt. Abhilfe schafft jedoch das PE-Set. Noch besser wäre es gewesen, wenn Revell hier zusätzlich Bewaffnung beigelegt hätte. Letztlich lohnt sich der Blick in den Waffenschacht dank der Eduard-Teile dann aber doch und wird nicht mit einem nur rudimentär dargestellten Innenraum bestraft.

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Die Abgasrohre habe ich aus dem Revell-Bausatz verwendet – und das aus zwei Gründen: Zum einen halte ich die PE-Teile nicht für wesentlich besser als die Kunststoffteile, sofern diese ordentlich versäubert sind. Zum anderen ist es mir nicht gelungen, die PE-Abgasrohre sauber zu rollen.

Nun ging es darum, eine Frage zu klären, die mir die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte und deren Beantwortung ich immer weiter nach hinten geschoben hatte: Wollte ich die Bundesmarine-Gannet oder die exotische der australischen Maschine bauen? Im Kern war die Farbgebung identisch – ich nutzte Dunkelgrau für die Oberseite und Duck Egg Green für die Unterseite. Der Unterschied lag im Detail: Der Fanghaken der australischen Maschine war im auffälligen Tigerenten-Streifenmuster gehalten und der Spinner grün-gelb lackiert, während beide Bauteile bei der deutschen Maschine schwarz ausgeführt waren.

Am Ende fiel die Entscheidung auf die australische Maschine, da diese nur selten zu sehen ist, während deutsche und britische Gannets vergleichsweise häufig anzutreffen sind.

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Nachdem die Farbgebung geklärt war, war ich zuversichtlich, alle letzten Teile anbringen zu können. Ich baute das Fahrwerk, ordentlich ergänzt mit PE-Teilen, und freute mich bereits auf die Fertigstellung. Doch dann kam der Tailsitter....

Demotiviert, wie ich war, wollte ich zunächst einfach selbstklebendes Trimmgewicht in den Waffenschacht einbringen. Das entsprach jedoch weder meinem Anspruch noch wäre es der Maschine gerecht geworden. Nach einer Nacht darüber schlafen kam mir die rettende Idee: Die Nase war ja ein separates Bauteil. Wenn ich diese an der Klebenaht wieder abtrennte, müsste sich dort Gewicht unterbringen lassen. Gesagt, getan – allerdings stellte sich heraus, dass eine Kunststofftrennwand zum Cockpit hin genau das verhinderte.

Also griff ich zum Dremel und entfernte diese Wand. Nun konnte ich verdünnten Holzleim zusammen mit Liquid Gravity in die Nase füllen … bis mir dämmerte, dass die entfernte Rückwand eigentlich verhindert hätte, dass der Leim ins Cockpit läuft. Nahezu panisch entfernte ich das Stück Küchentuch, das ich zum Lackieren eingesteckt hatte, und stellte fest, dass ich soeben das vordere Cockpit mit Leim geflutet hatte.

Um zu retten, was zu retten war, zupfte ich kleine Stücke Küchenrolle ab und sog den Leim Stück für Stück wieder auf. In einigen Ecken blieb zwar etwas zurück, das jedoch später klar austrocknete. Trotz dieser kleinen Katastrophe konnte ich die Arbeit schließlich beenden, ausreichend Gewicht unterbringen und die Nase wieder verschließen.

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Ich versäuberte die Bruchkanten und lackierte die betroffenen Stellen nochmals sauber nach. Anschließend versiegelte ich alles mit Glanzlack und brachte die Abziehbilder auf. Positiv hervorzuheben ist, dass Revell den Decalbogen sehr durchdacht gestaltet hat und nicht mehr alle Abziehbilder wahllos verteilt sind, sondern die spezifischen Markierungen übersichtlich zusammengefasst an einer Stelle zu finden sind.

Nach der Alterung setzte ich die Cockpithauben auf. Leider war eine davon bereits in der Verpackung entlang der Formtrennnaht sauber gebrochen. Ich klebte sie mit Klarsichtteilkleber wieder zusammen und polierte die Stelle anschließend auf. Am Ende war davon nichts mehr zu sehen.

Fairey Gannet AS.1

Zum Vorbild

Als eine von 40 beschafften Maschinen des Typs AS.1 leistete die 860 über ein Jahrzehnt lang Dienst in vorderster Front und prägte das Bild der australischen Marinefliegerei in den 1950er und 60er Jahren. Die Maschine wurde im Mai 1955 fertiggestellt und im Rahmen der Modernisierung der australischen Seestreitkräfte erworben. Im Jahr 1956 wurde sie an Bord des neu in Dienst gestellten Flugzeugträgers HMAS Melbourne (R21) nach Australien überführt. Den Großteil ihrer aktiven Laufbahn verbrachte die „860“ bei der 816 Squadron, der primären U-Jagd-Staffel der RAN.

Ihr Einsatzgebiet erstreckte sich über den gesamten Pazifikraum. Von der Basis HMAS Albatross in Nowra aus operierte sie regelmäßig eingebettet in die Fluggruppe der HMAS Melbourne. Die Aufgaben der Besatzung, bestehend aus Pilot, Beobachter und Funker, umfassten die weiträumige Seeüberwachung sowie die U-Boot-Suche mittels Radar und Sonarbojen.

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Fairey Gannet AS.1

 

Während die Unfallstatistik der Gannet innerhalb der RAN mit 15 Totalverlusten recht düster ausfiel, blieb die „860“ von schweren Zwischenfällen verschont. Sie diente zuverlässig bis zur Ausmusterung des Typs im Jahr 1967, als die moderneren Grumman S-2E Tracker die Rolle der Gannets übernahmen.

Aufgrund ihres exzellenten Zustands wurde die Maschine nicht verschrottet, sondern für die Nachwelt erhalten. Heute ist die XA332 eines der zentralen Exponate im Fleet Air Arm Museum in Nowra, New South Wales. Dort ist sie im originalen Farbschema der 816 Squadron (Extra Dark Sea Grey über Sky) ausgestellt und repräsentiert die Blütezeit der australischen Trägerluftfahrt.

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Fazit

Ein Projekt, das ich mir deutlich einfacher vorgestellt hatte. Natürlich war die Entscheidung, die PE-Teile zu verwenden, meine eigene und hat den Bau sicher verlängert. Auch das Problem mit dem Tailsitter ging letztlich auf mein eigenes Konto, da ich schlicht zu wenig Gewicht eingeplant hatte. Am Ende hat sich die Mühe jedoch gelohnt, denn belohnt wurde ich mit einem sehr ansehnlichen Flugzeug. Von den aufgetretenen Problemen ist im Nachhinein nichts mehr zu sehen.

Fairey Gannet AS.1

Andy Hartung

Publiziert am 31. Januar 2026

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