Antike ionische Säulen(Reality in Scale - Nr. 35036)
Produktinfo
BesprechungVorbemerkung
Der Bausatz Reality in Scale Nr. 35036, den ich mir schon vor einiger Zeit einmal zugelegt hatte, wanderte nach wohlwollender Betrachtung ins Bastelregal. Erst mit einem Nordafrika-Projekt, das langsam Konturen annimmt, rückte er wieder in mein Bewusstsein. Schnell merkte ich, dass er ein genaueres Hinsehen verdient.
Der Bausatz kommt in einer stabilen Klappdeckelschachtel (246 x 193 x 54 mm) auf den Basteltisch, die Teile sind ausreichend und ohne viel Schnickschnack gut verpackt. Wie bei Resinguss üblich, sind es wenige Teile, die geradezu zur Probeaufstellung herausfordern und die Phantasie anregen. Die Teile sind mit großer Sorgfalt und detailreich gegossen; die Fundamente sind hohl gegossen, so dass das Gewicht der Teile noch unter 600 g bleibt. Das fertige Modell beansprucht einiges an Platz: Breite = 225 mm, Höhe = 275 mm, Tiefe = 50 mm. Produktionsbedingte Einschlüsse von Luftbläschen, auf die das Infoblatt übrigens hinweist, habe ich an meinem Exemplar keine gefunden. Eine Augenweide ist die Nachbildung einer Statue, auf die noch einzugehen sein wird.
Der Versäuberungsaufwand beschränkt sich auf die Standflächen der Säulen und der Figur, die leicht konkav ausgeformt sind und begradigt werden sollten. Für das Schleifen empfiehlt der Hersteller unter Sicherheitsaspekten einen Mund- und Atemschutz wegen der gesundheitsbeeinträchtigenden Stäube. Hilfreich ist auch nass zu schleifen, um die Stäube nicht in die Atemluft zu bekommen. Für die Bemalung werden graue bis gelblich-bräunliche Farbtöne auf einer hellen Grundierung empfohlen, um den Sandstein bzw. Marmor vorbildgerecht nachzuahmen. Zusätzliches Ölfarbenwash und Dry-brushing werden empfohlen, um die Teile zu nuancieren. Das Infoblatt bietet zur Verdeutlichung sogar einige Farbaufnahmen.
Ionische Säulen …
Der Bausatz ist wie gemacht für archäologische Laien und altphilologische Nietenzähler, gibt doch der Hersteller mit 56 v. Chr. das Entstehungsjahr an. Auch im Infoblatt wird auf die Verwendung im Zusammenhang mit römischen Tempeln, Badehäusern und öffentlichen Gebäuden hingewiesen. Somit ist der Einsatzort der Säulen rings ums Mittelmeer umrissen, wäre ggf. aber auch in römischen Provinzen vorstellbar: Die Zeitangabe 56 v. Chr. Ist gut gewählt, verweist sie doch auf die Zeit des Gallischen Krieges und das Triumvirat von Caesar, Pompeius und Crassus, die Übergangszeit von der Republik zum Kaisertum. Die Säulen sind im ionischen Stil gestaltet. Zu nennen sind besonders die Fundamente, die Kapitelle und der Architrav, der auch im Modell die hohen Säulen verbindet. Dass ionische Säulen meist 24 oder mehr Hohlkehlen aufweisen, das Modell nur 16, muss den Modellbauer nicht stören.
… und eine Statue der Minerva
Verstörend war im ersten Moment die seltsame Kopfbedeckung der Statue, die mich zuerst an eine Art Mitra erinnerte, bei genauerer Betrachtung sich aber als griechischer Helm entpuppte, der nur im Kampf nach unten übers Gesicht gezogen wurde. Häufig zeigen Abbildungen (z.B. Perikles) den über die Stirn hochgeschobenen Helm, was zu einer befremdlich wirkenden Ansicht führt. Mancher mag die Figur für einen Mann halten, was ich im Hinblick auf die damals getragene Brustbinde (Strophium, fascia pectoralis) als falsch erachte. Es handelt sich um eine Frau. Frau plus Helm lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass es sich um die Göttin Minerva handelt, eine der drei Stadtgöttinnen Roms. Sie war nicht nur Schutzgöttin der Handwerker, Lehrer und Dichter, stand v.a. für Weisheit, sondern war u.a. auch Göttin für strategische Kriegsführung. So hält sie auf Abbildungen meist einen Speer in der Rechten, aber in 1:35 - wie bei antiken Statuen sehr oft der Fall - gingen einzelne Körperteile irgendwann verloren. Dafür ist die Gestaltung der Figur phantastisch gelungen: Helm, Faltenwurf der Toga, selbst eine Art Brustpanzer mit der Abbildung eines Gesichts verdienen eine 1 mit Stern. Modell für die Figur könnte ein Exponat aus den vatikanischen Sammlungen gestanden haben.
Darstellbare Maschinen: - Hier wohl besser: Räumliche/zeitliche Einsatzmöglichkeiten des Modells
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Einfach - allerdings verlangt das Modell nach sehr genauem Arbeiten, z.B. beim Ausrichten der Säulen. Etwas für Spezialisten mit Bezug ur Antike. FazitAus den zahlreichen Angeboten der Zubehöranbieter ragt der Kit vom niederländischen Hersteller, von dem es auch einzelne Säulen gibt, deutlich heraus (vgl. Form der Säulen, Minerva-Figur). Wenn man einfache runde (dorische) Säulen verwenden möchte, ist der Eigenbau durchaus ein gangbarer Weg. Bobinen von Haushaltspapier und andere runde Materialien bieten mit Spachtelmasse zusammen eine gute Basis für den Selbstbau. Auch aus Hartschaumstreifen mit quadratischem Querschnitt lassen sich mit Hilfe eines heißen Drahtes und Schmirgelpapier Säulen nachbilden (vgl. Referenzen). Hier muss jeder entscheiden, wieviel Genauigkeit das Endprodukt bieten soll. Weitere InfosReferenzen https://de.wikipedia.org/wiki/Ionische_Ordnung https://de.wikipedia.org/wiki/Korinthischer_Helm https://de.wikipedia.org/wiki/Fascia_pectoralis www.realityinscale.com (u.a. Webshop, Kundenarbeiten) Stellvertretend für eine Vielzahl von DIY-Anleitungen eines bekannten Video-Portals ausgewählt: Diorama Don: Roman ruins diorama.1/35 scale. How to model Roman columns; https://www.youtube.com/watch?v=Sy0ET-b_J7E (alle Abfragen vom 2.2.2026)
Diese Besprechung stammt von Thomas Ehrensperger - 24. Februar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |