MH-6J Little Bird(ICM - Nr. 48369)
Produktinfo
BesprechungZum Vorbild
Aufgabe des 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne) ist der Transport und die Kampf- und Logistikunterstützung bei sämtlichen Missionsprofilen der US-Spezialeinsatzkräfte. Zu den Nutzern gehören die Rangers, die SEALs, die Green Berets und die Delta Force. Die Einsätze umfassen Angriffs- und Aufklärungsmissionen, die normalerweise nachts bei hohen Geschwindigkeiten, in geringer Höhe und kurzfristig durchgeführt werden. Das Akronym SOAR wurde in Anlehnung an das englische Verb „to soar“ gewählt, was in etwa „lautlos dahinschweben“ bedeutet und den Auftrag des Regiments sehr treffend beschreibt. Das Regiment bestand aus rund 1.400 Soldaten und wurde bis 2009 um 900 Mann und 35 Helikopter erweitert. Am 28. Oktober 2009 war die Erweiterung offiziell abgeschlossen.
Die Initioatoren des 160th SOAR erkannten den Bedarf an einem kleinen Hubschrauber, der an den schwierigsten Orten landen und problemlos auf Lufttransportflugzeugen der Luftwaffe transportiert werden kann. Sie entschieden sich für den Aufklärungshubschrauber OH-6A, der in dieser Entwicklungsvariante als MH-6 „Little Bird“ bekannt wurde. Der MH-6 (M für multi-mission, also Mehrzweckeinsatz) ist für spezielle Militäroperationen modifiziert, nachtflugtauglich und bietet auf jeder Seite des Rumpfes eine Sitzplattform, auf der je drei Soldaten Platz finden können. In der Passagierkabine, die Platz für zwei bis drei Personen bietet, befinden sich die Elektronik, Zusatztanks und weiteres Missionszubehör. Der MH-6J ist die aktuelle Transport- und Angriffsversion für Spezialoperationen. Als leichter Kampfhubschrauber basiert er auf dem MD 530MG und ist ausgestattet mit einem verbesserten Motor, FLIR und einem GPS/Trägheitsnavigationssystem. Quelle: Wikipedia
Der BausatzNachdem ich in meinem zweiten Galeriebeitrag zur MD 500 geschrieben hatte, dass dieses Thema erst einmal für mich erledigt ist, war ich doch einigermaßen überrascht, als ich von der ICM-Neuheit des MH-6J anfangs dieses Jahres erfuhr. Überaus neugierig, was dieser Bausatz (im Vergleich zu den betagten Tamiya- und Academy-Produkten) zu bieten hat, erfolgte umgehend die Bestellung. Wenige Tage später hielt ich den Kit in der Hand: sicher verpackt in einem Klappdeckelkarton aus Wellpappe, garniert mit einem vierfarbig gedruckten Stülpdeckel. Darin liegen die beiden Spritzrahmen, gemeinsam in einen wiederverschließbaren Kunststoffbeutel verpackt, inkludiert sind die Klarsichtteile in einem eigenen Beutel. Wie aus einer brandneuen Form nicht anders zu erwarten, sind die Rahmen in stabilem grauen Kunststoff in hoher Qualität ohne Fischhäute, wahrnehmbare Formtrennnähte und sichtbaren Sinkstellen produziert. An einigen feinen Teilen sind Auswerferpins angegossen, die entfernt werden müssen.
Der Inhalt
Insgesamt ist der Bausatz für einen derart kleinen Helikopter stark zergliedert. So ist vieles variabel gestaltet (wie beispielsweise und hauptsächlich der Heckausleger) und lässt somit auf weitere Varianten hoffen. Die Teile selbst entsprechen dem aktuellen Standard: scharfe und klare Wiedergabe, sämtliche in diesem Maßstab vernünftig darstellbare Details sind vorhanden. Die Teile für die Rumpfaußenhaut glänzen mit erhabenen und versenkten Strukturen; Scharniere, Sicken und Nietreihen sind sauber und scharf wiedergegeben. Auch an die Verstärkungen im Unterrumpf im Bereich der Passagierkabine hat man gedacht. Die Türen zu den Pilotenplätzen sind separat – mit der Option des Anbauens oder Weglassens – gehalten, die Türgriffe sind außen wie innen einzeln anzubauen; ebenso wie alle Antennen und Sensoren. Hierfür sind teilweise Passlöcher zu bohren, was wiederum auf weitere Versionen schließen lässt. Das Landegestell in der niedrigen Version ist in der korrekten Höhe mit feinen Details nachgebildet, mit der Option für zwei unterschiedliche Kufenspitzen.
Der Innenraum ist mit ebenso sauber, scharf und modular aufgebauten Teilen (erkennbar beispielsweise an den Elektronikkomponenten an der Schottwand zwischen Piloten- und Passagierraum) in der selben Manier aufgebaut. Die Instrumentenpanels sind fein strukturiert dargestellt, trotz vorhandener Decals mag hier das künstlerische Talent des Modellbauers herausgefordert sein, um ein besseres Ergebnis zu erzielen. Steuerknüppel, Pedale und Kollektivhebel – meist aus mehreren Teilen bestehend - sind vorhanden und detailliert wiedergegeben, ebenso die Sitze für die Piloten, Sitzgurte gibt es allerdings nicht. Die Passagierkabine ist bei dieser Version mit einem großen Zusatztank belegt, der Triebwerksauspuff wird mit einem relativ langen, gekrümmten, aus zwei Halbschalen bestehenden Teil nachgebildet. Weiterhin kann eine in der linken Rumpfschale vorhandene Öffnung Einblick auf ein optional eingebautes Triebwerk geben.
Innenraumboden
Der eigentliche Grund, warum dieser Kit überhaupt in meinen Fokus gerückt ist, war, dass es mich sehr interessiert hat, wie die Rotoransteuerung gestaltet wurde. Bei den vorher genannten Kits war dieser Bereich allenfalls rudimentär bis überhaupt nicht berücksichtigt bzw. nachgebildet, was ich jeweils als erhebliches Manko empfunden habe. Hier gibt es nun eine fein detaillierte, in allen Bereichen zeitgemäße Wiedergabe dieser Baugruppe – bestehend aus 21 teils winzigen Teilen - für die alleine zwölf(!) Baustufen in der Anleitung reserviert sind. Auch beim Heckrotor versprechen die (überhaupt vorhandenen) Teile für das Steuergestänge und die feine Nachbildung des Rotors selbst eine exzellente und vorbildgetreue Wiedergabe, ebenso wie die Bauteile für das fein strukturierte T-Leitwerk. Die fein detaillierte Heckrotorsektion erlaubt keine bewegliche Ausführung des Heckrotors, während beim Hauptrotor eine bewegliche Montage vorgesehen ist.
Rotorkopf
Wie bereits erwähnt, sind die Klarsichtteile extra verpackt und kommen so ohne jegliche Kratzer zum Kunden. Im Gegensatz zu den Teilen aus den „historischen“ Kits hat die Fertigungstechnik hier eine Quantensprung vollzogen: die stark gewölbte, große Frontverglasung ist gleichmäßig dünn, sauber und schlierenfrei ausgeführt, so dass sich ein kaum verzerrter Einblick in den Innenraum ergeben wird; dazu gibt es fein ausgeführte Nietennachbildungen an den Rahmenstreben. Die separat anzubauenden Einstiegstüren zu den Pilotenplätzen sind hier ebenfalls zu finden, der Rahmen der komplett als Klarteile ausgeführten Türen muss dann aber entsprechend bemalt werden. Weiterhin gibt es – entsprechend zu bemalende – Positionsleuchten.
Die Decals
Der vorhandene Decalbogen ist recht übersichtlich und ermöglicht die Nachbildung von vier Maschinen des 160th SOAR aus unterschiedlichen Epochen. Nur wenige Bilder sind für den Innenraum vorgesehen, die Bilder für den Außenbereich beschränken sich im Wesentlichen auf die Bu.No´s und US Army-Kennzeichen, Stencils sind keine vorhanden (wobei fraglich ist, ob es überhaupt welche gibt). Aufgrund der mehr oder weniger monochromen Gestaltung der Decals gibt es so gut wie keine Probleme mit Farbversatz. Über die Verarbeitbarkeit von ICM-Decals habe ich keine Erfahrungen, das muss dann die Praxis zeigen.
Die Bauanleitung...
...ist als zwölfseitiges Heft ausgeführt, mit Texten in ukrainisch(?) mit kyrillischen Schriftzeichen und in englisch. Der Bau wird in 67(!) Schritten bis zum fertigen Modell beschrieben, mit den entsprechenden Unterschieden zu den einzelnen Maschinen. Die Zeichnungen sind recht übersichtlich, auch bezüglich der Unterschiede bei den zu bauenden Varianten. Am Ende findet sich eine vierfarbige Bemalungs- und Dekorationsanleitung für die nachzubildenden Maschinen. Die Farbnummern beziehen sich einzig auf die ICM-Palette, die auf der ersten Seite der Anleitung zu finden ist. Die nahezu schwarze Farbgebung aller Maschinen wird die Bemalung zur Herausforderung werden lassen: hier gilt es dann einerseits, Leben in die Flächen zu bringen, andererseits wollen die feinen Details entsprechend betont sein, damit sie nicht im dunklen Farbton der Außenlackierung verschwinden.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund der starken Zerglierderung und der vielen Kleinteile ist der Kit nicht wirklich anfängertauglich, die anspruchsvolle Bemalung tut ihr Übriges dazu. FazitWow – kaum zu glauben! Ein moderner und hervorragend detaillierter Bausatz im Quarterscale zu einer historischen – und / aber dennoch aktuellen - Baureihe eines kleinen Helikopters, der nahezu keine Wünsche offen lässt! Mit diesem Kit dürften die betagten Tamiya- und Academy-Bausätze endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Die Konzeption des Kits darf auf weitere Varianten hoffen lassen, genug Vorbilder dafür gäbe es! So ist der Kit für den fortgeschrittenen Modellbauer ohne Frage empfehlenswert! Auch hier ist wieder bemerkenswert, dass ausgerechnet einer der ukrainischer Hersteller (die gerade die denkbar schwersten Zeiten durchmachen müssen) sich zu einer solchen Innovation durchringen kann, während sich die alteingesessenen etablierten Hersteller auf ihren „Lorbeeren“ auszuruhen scheinen! Bei OH-58, Gazelle, Alouette II/III, AS 350 und Bo 105 gäbe es ähnlichen Bedarf, EC 135 und EC 145 haben im Quarterscale bislang noch NULL Berücksichtigung gefunden... Diese Besprechung stammt von Roland Kunze - 28. Februar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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