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Gloster Sea Gladiator

von Hubert Ortinger (1:48 Roden)

Gloster Sea Gladiator

Original

Vor dem II. Weltkrieg waren für das Britische Fleet Air Arm (FAA) sowohl Luftwaffe als auch Admiralität zuständig, die davon überzeugt waren daß, wenn überhaupt Flugzeuge benötigt würden diese zumindest einen Torpedo tragen können oder Sturzkampfbomber sein müßten.

Erst als sich ein Konflikt als unausweichlich abzeichnete, wurde ihnen bewußt, daß  auch Jagdflugzeuge nötig wären, welche die Träger vor angreifenden Verbänden verteidigen sollten. Da die Fairy Fulmar nicht vor 1940 verfügbar sein würde sah man sich gezwungen nach anderen Lösungen zu suchen. Im Zuge dieser Anforderungen wurden noch die ersten in Produktion befindlichen Gloster Gladiator MKII (N2265 – N2302) in der Fabrik auf Sea Gladiator (Interim) umgerüstet.Im unteren Rumpf wurden Versteifungen einbezogen, an denen auch der V-förmige Fanghacken befestigt wurde. Auch die Geschwindigkeitsanzeige wurde von Meilen/h auf Knoten kallibriert. Diese Maschinen wurden umgehend an die Flotte verschickt um sie dort eingehend zu erproben.Zwischenzeitlich wurde an der Verbesserung des Projekts gemäß den Ansprüchen der FAA gearbeitet. Die folgenden 60 Sea Gladiator hatten als Standart versenkte Fanghacken, Katapultbeschläge, ein neues Funkgerät und ein stabiles Rettungsfloßpäckchen (zwischen den Fahrwerksbeinen). 

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. Sept. 39 war das FAA erst mit 12 umgebauten und 42 späteren Sea Gladiator ausgerüstet.Schon im Mai desselben Jahres war man sich der strategischen Bedeutung von Malta bewußt, und sandte 18 Sea Gladiator (N5518 – N5535) nach Kalafrane um die dortige Reserve damit auszurüsten. Als Italien am 10. Juni 40 in den Krieg eintrat, waren jedoch lediglich 3 Maschinen mit relativ unerfahrenen Piloten einsatzfähig. Für die nächsten Monate waren sie die einzige Hoffnung Maltas im Kampf gegen die Reggie Aeronautica. Diese Episode des Krieges ging als ein Beispiel für Heldentum und Selbstaufopferung in die Geschichte ein und machte die Gladiator so berümt wie Hurricane und Spitfire. Inoffiziell trugen sie die Namen „Faith“, „Hope“ und „Charity“ (Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe). Ein unidentifiziertes Wrack der auf Malta stationierten Flugzeuge wurde als N5520 restauriert und hat bis heute einen Ehrenplatz im historischen Museum der Insel.

Gloster Sea Gladiator

Bausatz

Man ist angenehm überrascht nach dem Öffnen der Schachtel des ukrainischen Herstellers, denn dieser „Short-Run“ Bausatz gehört zweifellos zur gehobenen Klasse seiner Art.

Hervorzuheben sind die dünnen Tragflächen mit maßstäblich scharfen Hinterkanten sowie die separat gegossenen Steuerflächen. Auch die verschiedenen Oberflächenstrukturen sind gut wiedergegeben. Einzig an den Rumpfflanken sind leichte Senkstellen zu erkennen, die mühsam verspachtelt und plangeschliffen werden müssen.

Das Cockpit ist Dank des klappbaren Einstiegs gut einsehbar und so entschließt man sich gerne den EDUARD Ätzteilesatz zu verwenden.Nicht gerade billig aber mit zwei satten Platinen und einer acht Seiten umfassenden Beschreibung. Dieses Set umfaßt auch den Ölkühler und diverse Teile für die Beschläge der Verspannung. Auch die MG´s lassen sich gut aufmotzen und ersparen einem die Bleiklumpen von Aeroclub. Trotz zahlreicher Messingteile bleibt noch genügend Platz für Eigeninitiative so daß ich mich entschloß eine Seite des Cockpits zu öffnen. Die Innenstrukturen werden im sichtbaren Bereich komplett neu aufgebaut und verstrebt.

Auch der durch den Rumpf laufende Tragflächenholm wird angedeutet.Der Steuerknüppel und die Fußpedale müssen nach unten verlängert und mit Steuerdrähten „funktionstüchtig“ gemacht werden. Alle Instrumente und Schalter werden rückseitig mit dünnen Kupferdrähten verkabelt. Dem Sitz des Bausatzes trauert man nicht lange nach und tauscht ihn gegen seinen Pedant aus Messing der mit den schön gemachten Gurten aufgewertet wird.  Die in der Luft hängende Bodenplatte sollte verstärkt und die darunter liegenden Munitionskästen neu modelliert werden. Die MG´s werden leicht modifiziert so daß ihre Plazierung mit der Munitionzuführung übereinstimmt. Man sollte versuchen den Einbau so vorzunehmen, daß der Gewehrlauf erst nach der Außenlackierung eingesetzt werden kann. Vergessen werden darf auch nicht der Auswurfschacht für die Gurtglieder an der Außenseite des MG´s, sonst wäre die Beule im Paneel ja wohl umsonst!. Auch der Kompaß muß gekürzt werden da er sonst am Armaturenbrett ansteht.

Wer eine „vollwertige“ Sea Gladiator bauen will, darf nicht vergessen den versenkten Bereich in dem der Fanghaken Platz findet auszusägen und innen mit Sheet abzudecken. Der Fanghacken selbst ist unbrauchbar. Zum Nachbauen diente mir der Hacken der Tamyia- Swordfish als Vorbild. Man könnte auch gleich diesen nehmen!Die Passung der Rumpfhälften beim Zusammenkleben ist gut. Für eine bessere Stabilität empfiehlt es sich jedoch an den Innenseiten Laschen einzusetzen. Das Plastik ist sehr weich und so erspart man sich böse Überaschungen.Im Bereich des Ölkühlers entsteht ein Überstand der jedoch keine Rolle spielt weil ja sowieso das komplette Aggregat den Schmirgelleinen zum Opfer fällt. Auch das vorne angeklebte Schott mit dem Loch das später den Motor aufnimmt wird zu den Seiten hin abgeschliffen. In diesen Bereichen geht so manche Gravur verloren und muß nachgezogen werden. Am schlimmsten jedoch wird es aber beim Fahrwerk! Die vermeintlich tolle Idee bezüglich der Befestigung am Rumpf beschert einem jede Menge Spachtel-, Schleif- und Gravierarbeit.

Gloster Sea Gladiator

Tragflächen

Der Übergang zu den Tragflächen ist dagegen ohne größeren Aufwand zu bewältigen. Das Höhenleitwerk könnte man sogar erst nach dem Lackieren einkleben, und sich dadurch das Maskieren ersparen.Die separaten Steuerflächen passen einwandfrei und werden in ausgeschlagenen Positionen angebracht. Warum die  Landeklappen erhaben dargestellt sind stellt sich schnell heraus: Nachdem sie nämlich abgeschabt und neu graviert wurden ist das Material an dieser Stelle so dünn, daß diese Bereiche für spätere Arbeiten mit Pappe vor Umbiegen geschützt werden müssen.

Zur Freude meiner Tochter konstruierte ich für den oberen Flügel eine Montagehilfe aus Legobausteinen. So wird es zum Kinderspiel die Streben einzupassen. Bis auf die Inneren - die sind zu dünn und werden gegen selbst hergestellte ausgetauscht. Ellipsenförmige Profile können hier besser überzeugen. Bei einer Version mit hellgrauen Unterseiten können die Streben sogar noch vor dem Lackieren an der oberen Tragfläche fixiert werden. Für die Verspannung verwendete ich später die geätzten Spanndrähte von „BSH Models“ die wie im Original ein flaches Profil aufweisen. Die Waffengondeln scheinen eine Nummer zu klein. Außerdem hatten sie im Orginal einen „Fuß“ damit man sie an den Tragflächenunterseiten montieren konnte. Um dies alles zu ändern und ins Modell umzusetzen kam in meinem Fall nur Tiefziehen in Frage. So läßt sich am Ende auch eine demontierte Gondel darstellen. Die Orginale  klebt man dafür am  besten auf eine Holzleiste und benutzt sie als Stempel.

Nachdem die gezogenen Rohlinge abgetrennt waren klebte ich einen dünnen Boden auf, den ich innen wieder öffnete und außen bis auf den schmalen Rand zufeilte. Anschließend schnitzte ich noch die Öffnungen für Hülsen (Mitte) und Gurtglieder (Außenseite).

Um eine demontierte Waffengondel zu realisieren schnitzte ich eine Nische entsprechender Größe in die Tragfläche und stattet diese wiederum mit einem gelochtem Rand für die Abdeckung aus. Für das geöffnete Munitionsfach fräste ich ein großzügig bemessenes Loch in dem die separat mit dem Rahmen zusammengeleimte Lade Platz fand. Anschließend wird alles glattgeschliffen da die Abdeckbleche im Orginal aufgesetzt waren. Die Bleche selbst wie auch das Paneel der Rumpfwand schnitt ich aus Hobby-Metallfolie.

Gloster Sea Gladiator

Motor

Der 830 HP Bristol Mercury VIII A ist akzeptabel detailliert und auch EDUARD hat noch einiges parat. So z.B. die Ansaugrohre für den Vergaser oder die Befestigungsstreben für den Auspuffring. Das Anbringen der 18 Krümmer wird zur Fummelarbeit. Bei dieser Gelegenheit sollte man auch gleich die Zündkabel ergänzen.

Der Sammelring bzw. die Motorabdeckung muß aus drei Teilen rund zusammengeklebt werden (da paßt genau ein Farbdöschen rein!), was ein sorgfältiges Glattschleifen der Klebestellen und anschließendes Neugravieren nötig macht. Zum Glück sind die Verschlüsse auf der Platine von EDUARD vorhanden. Die Auspuffrohre klebte ich nicht stumpf an sondern verlängerte sie nach innen Richtung Sammelring. Daß die Enden aufgebohrt werden versteht sich ja von selbst.

Gloster Sea Gladiator

Klarsichtteile

Die dreiteilige Kanzel war in meinem Fall nicht ganz schlierenfrei aber ich hatte ja noch das RAF Set von FALCON mit der tiefgezogenen Variante. Da dies jedoch den Lindberg-Bausatz zum Vorbild hat paßte es nicht.  Wenigstens konnte ich das für eine geöffnete Darstellung nötige Mittelstück verwenden. Nach dem Grundieren mit Innenfarbe werden die Teile an den jeweiligen Stellen fixiert und mit Sekundenkleber festgeklebt. Um einen schönen Übergang zum Rumpf darzustellen wird der Spalt insbesondere vorne verspachtelt und neu graviert. Erst jetzt maskiere ich die Kanzel komplett für die spätere Außenlackierung.Leider sind keine Positionslichter auf dem transparenten Spritzgußrahmen enthalten so daß man gezwungen ist für eine realistische Darstellung selbst kreativ zu werden. Dazu zieht man sich ein Stückchen klares Plastik bis auf die nötige Stärke, feilt es auf einer Seite rund und bohrt auf der anderen  Seite ein Loch das man mit Silberfarbe ausläßt. Das so hergestellte Lämpchen wird erst ganz zum Schluß angeklebt, und als Abschluß mit einer glänzenden Lasur der entsprechenden Farbe überzogen.

Gloster Sea Gladiator

Markierung und Abschlußwort

Mit dem Decalbogen des Bausatzes lassen sich sage und schreibe acht Varianten darstellen. Ich entschied mich für die aufwendigste: Die Sea Gladiator N5519/R. Dabei handelt es sich um eine der besagten, der RAF unterstellten und auf Malta stationierten Flugzeuge. Die Maschine des Piloten Flt. Lt. George Burges ist zweifellos eine der bekanntesten und so ist auch in jeder Publikation ein Farbprofile davon abgebildet. Im Osprey Band # 44 sogar ein relativ gutes s/w Foto.

Abschliessend sei noch erwähnt, daß wir Modellbauer den historischen Aspekt nicht außer Acht lassen sollten, rechtfertigt er doch zum Einen die Ernsthaftigkeit unseres Hobbys und läßt uns eine Beziehung zum Original herstellen. Gerade in meinem Fall muß ich zugeben, daß das Modell der Gloster Gladiator nicht meine erste Wahl war, und ich mich erst nach der Aufforderung eines Modellbaukollegen mit dem Bausatz und dem geschichtliche Vorbild auseinandersetzte. Doch schon nach kurzem Stöbern in verschiedenen Publikationen und der Recherche im Internet konnte ich mich schnell dafür begeistern. Immerhin handelte es sich nicht um einen Hasegawa oder Tamiya Bausatz. Aber mit etwas Erfahrung und einer Portion Ehrgeiz lassen sich auch solche Projekte verwirklichen

Hubert Ortinger

Publiziert am 29. November 2009

Die Bilder stammen von Huber Ortinger.

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