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Spitfire PR Mk.X

(Special Hobby - Nr. SH72037)

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Produktinfo:

Hersteller:Special Hobby
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:SH72037 - Spitfire PR Mk.X
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2002
Preis:ca. 15 bis 20 €
Inhalt:
  • 2 Spritzlinge in Hellgrau
  • 2 Tiefziehhauben
  • eine Tüte mit Resinteilen (nicht alle verwendet)
  • Anleitung
  • Decals

Besprechung:

Zum Vorbild:

Dass sich die Spitfire als leistungsfähigstes britisches Jagdflugzeug auch für Aufklärungszwecke anbot, lag auf der Hand. Zwar war die von Anfang auch als Aufklärer konstruierte De Havilland Mosquito in einigen Punkten überlegen, doch waren die bessere Wendigkeit und hohe Geschwindigkeit der Spitfire für manche Einsätze von Vorteil. So wurden, neben einigen Umrüstungen, aus den meisten Spitfire-Varianten auch Aufklärer abgeleitet und ab Werk produziert. Die Spitfire PR Mk.XI war im Prinzip die Aufklärungsversion der Spitfire VIII bzw. IX mit den leistungsfähigen Merlin 60/70 Motoren. Diese war auch die am meisten produzierte Aufklärervariante mit mehr als 470 Exemplaren. Darauf folgte die PR Mk.X, von der nur 16 Stück entstanden. Sie unterschied sich von der Mk.XI durch eine Druckkabine und die gepanzerte Frontscheibe der Jägervarianten, anstatt der für Aufklärer typischen einteilen Windschutzscheibe. Daneben war sie wie die meisten Aufklärer mit einem vergrößerten Öltank und der entsprechenden Verkleidung unter dem Bug ("Kinn") ausgerüstet und den Tragflächen vom Typ D, in die zwar keine Bewaffnung eingebaut werden konnte, dafür aber interne Treibstofftanks hatte und zusätzliche Kameras aufnehmen konnte. Die normale Bestückung bestand aus zwei senkrecht nach unten gerichteten Kameras und einer schräg seitlich eingebauten Kamera hinter dem Cockpit, was jedoch je nach Einsatzzweck variierte.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Zum Bausatz:

Modelle von Spitfire-Aufklärern sind leider ein Randthema der Hersteller. Die gängigsten Komplettbausätze in 1:72 sind hier die PR Mk.XIX von Airfix, ein guter Bausatz, der aber nicht Top-Niveau hat, daneben noch einen Vollresin-Bausatz der PR XI von Attack Squadron, der aber etwas merkwürdig konstruiert und nicht mehr leicht zu bekommen ist. Dann gab es die selbe Version von MPM. Dieser Bausatz ist mit dem vorliegenden aber weitgehend identisch, so dass das hier gesagte auf diesen auch zutrifft. Es gab noch Bausätze aus Neuseeland und Umrüstsätze verschiedener Hersteller, wozu ich aber nichts sagen kann.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Es handelt sich hier um einen typischen Kleinserienbausatz auf dem Stand der 1990er Jahre. Das zeigt schon der erste Eindruck: der Karton ist ein hellblauer MPM-Blankokarton, auf den ein recht ansehnliches Deckelbild der Spitfire aufgeklebt ist. Wer will, kann es sich einrahmen. Im Inneren finden sich zwei hellgraue Gussrahmen, zwei identische tiefgezogene Cockpithauben, eine kleine Tüte mit Resinteilen, Nassschiebebilder und eine schwarz-weiße Anleitung. Der Formenbauer hat sich sichtlich Mühe gegeben, die Form der Spitfire gut umzusetzen. Allerdings zeigt der Guss die üblichen Probleme: Unsauberheiten und kleinere Formschäden, teilweise starke Grate und dicke Angüsse, aber alles im Rahmen dessen, was man von einem solchen Bausatz erwarten muss. Die Gravuren sind sehr fein und überzeugen. Die unvermeidlichen Schleifarbeiten dürften aber einige davon zerstören. Auch mit der Farbe sollte man sparsam umgehen, damit die Gravuren am ferigen Modell noch gut sichtbar bleiben.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Passzapfen zum Ausrichten der Teile gibt es nicht, vor allem bei den Höhenrudern sollten man mit Draht etc. die Stabilität verbessern. An den Tragflächen muss man große Auswerfermarken entfernen, sonst passen die Teile nicht zusammen.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Es gibt drei verschiedene Abwurftanks. Der Propeller entsteht aus einzelnen Blättern, was Sorgfalt beim Ausrichten erfordert. Der Propeller soll schon vor der Lackierung eingeklebt werden und drehbar bleiben, das haben einige Hersteller heute besser gelöst.

Im Inneren herrscht ein absoluter Detailmangel. Das spartanische Cockpit besteht aus Bodenplatte, Sitz, Instrumententafel und zwei Spanten. Die Rumpseitenteile sind mit nichtssagenden Linien verziert, keine Spur von den vielen kleinen Hebeln, Kästen und Leitungen, die dort zu finden sein sollten. Der recht gute Steuerknüppel liegt aus Resin bei, er ist fast zu schade, ihn in diese Einöde einzubauen. Das druckbelüftete Cockpit unterscheidet sich sichtbar vom normalen Pilotenplatz der Spitfire, will man hier etwas bewirken, ist viel Recherche und Eigenbau angesagt. Fahrwerksschächte gibt es auch nicht, die oberen Tragflächen zeigen hier ebenfalls nur Alibi-Details.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Die Öffnungen für die Kameras müssen ausgebohrt und in Eigeninitiative verglast werden. Klarteile dafür liegen nicht bei. Der Antennenmast muss ebenfalls nach Bauanleitung selbst geschnitzt werden. Die Auspuffrohre sind nicht hohl, obwohl Resin-Guss, und sollen einfach so in die Rumpföffnungen geklebt werden. Wie das halten soll? Hier sollte man hinterfüttern. Weitere Resinteile sind der Luftfilter und der Kompressoreinlass. Ätzteile fehlen komplett, die hätten dem ganzen Modell gut getan.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Die Nassschiebebilder dagegen machen einen guten Eindruck, sind sauber und detailliert gedruckt, ohne erkennbaren Versatz und stimmig in den Farben.

Es werden Bemalungshinweise für zwei verschiedene Maschinen angeboten, die sich aber nur in der Seriennummer und im "Fin Flash" unterscheiden. Beide sind PRU Pink über alles. Diese Farbe ("Schweinchenrosa" trifft es wohl ganz gut) bleichte offenbar schnell aus, auf manchen Fotos wirkt sie fast weiß. Ob die vorgeschlagene Mischung aus 1:1 Humbrol 200 und 34 es trifft, muss man wohl ausprobieren. Es gibt aber natürlich fertige Mischungen dieser Farbe von mehreren Herstellern.

Special Hobby - Spitfire PR Mk.X

Darstellbare Maschinen:
  • SR396 der 542 Squadron
  • MD194 der 541 Squadron
Stärken:
  • Einziger Komplettbausatz der PR Mk.X in 1:72
Schwächen:
  • Kleinserienbausatz, erfordert viel Nacharbeit an den Teilen
  • wenige bis keine Details im Inneren
  • keine Ätzteile
  • Tiefziehteile für die Kanzel
Anwendung: Nur für Bastler mit viel Geduld zu empfehlen

Fazit:

Was soll man von diesem Bausatz nun halten? Einerseits gibt es kaum Alternativen, andererseits muss man für ein gutes Modell wohl genauso viel Aufwand investieren, als würde man einen anderen Bausatz zur PR Mk.X umbauen. Ich persönlich würde wohl versuchen, diesen Bausatz mit einem anderen, z. B. dem von AZ Model zu kombinieren, um ein brauchbares Ergebnis zu erhalten.

Diese Besprechung stammt von Florian Haller - 26. Januar 2021

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