Diecast SuperingChristian Vanavon Making of (1:24 Politoys)
PrologWas tun, wenn es das heiß ersehnte Modellauto als Plastikbausatz nicht gibt? Man könnte versuchen, aus Blech, Holz oder Resinharz ein Modell selbst (scratchen) zu bauen oder man sieht sich einfach mal im verwandten Bereich der Fertigmodelle, sogenannter Diecast-Modelle um. Die Sparte in nur einem Stichwort beschrieben: „Happy Metal“ In unserem vorangegangenen Online-Kurs für Anfänger gibt es zum Thema einen Beitrag, siehe Teil 38 „Diecast“. DefinitionMit dem Begriff „Supering“ wird beschrieben, wie ein Standard-Modell mit Veränderungen, Umbauten und Zusatzteilen verbessert werden kann und / oder besser einem realen Vorbild entspricht. MontageAls bekennender Fan kleiner Autos, vor allem italienischer, hat mich das oft getroffen, dass es ein gewünschtes Fahrzeug nicht als Plastikbausatz gab. In meiner Jugend, so um 1970 herum, waren die meisten Kits in meinem bevorzugten Maßstab 1:24/25 große amerikanische Autos oder Show Rods. Alles sehr nett, aber nicht genug für mich. Tamyia Mini & Co. waren noch weit weg und schon das Erscheinen des Revell-Käfers und der VW Strand Buggies waren eine Sensation. Die Firma Politoys aus Italien kam mit einer Serie M in Diecast, also Zinkdruckgussmodellen im großen Maßstab 1:24 daher. Der größere Maßstab 1:18 war zu dieser Zeit noch eher exotisch. Der Mini war zwar etwas gröber in den Fenstersäulen, aber zumindest wunderbar in Proportionen und Details. Inzwischen gibt es ja unzählige Diecast-Modelle, meist vom spielzeughaften zum Modell avanciert, manche ziemlich perfekt, wenn auch eindeutig „curbside“, das heisst umdrehen sollte man sie meist nicht.
Ein interessantes Beispiel ist der 1971 Fiat 128, von dem ich mittlerweile drei Varianten habe. Die viertürige Limousine von White Box fällt unter ziemlich perfekt, wenn auch eindeutig „curbside“. Das Coupé von Mebetoys habe ich in einfacher Art einfach überarbeitet: Farbe auf Rot (Fiat Rosso Arancia) umlackiert und neue Räder. Eine weitaus größere Herausforderung war jedoch der Fiat 128 Rally.
Den hatte ich schon lange von Politoys, aber mehr Spielzeug als Modell (Foto von Günther Eberhard), unrealistisch breite Reifenwalzen, falsche Zusatzscheinwerfer und riesig-enorme Auspuffrohre. Nicht, dass ich Berührungsängste mit Tuning hätte, aber an diesem Auto war mir das zu unrealistisch, vor allem, wenn man das Original kennt. Die dargestellten Kotflügelverbreiterungen würden kein Einfedern erlauben.
Gut, da haben wir nun das spielzeughaft wirkende Auto, was passiert als erstes? Ich habe es einmal mit dem Fiat 128 von White Box (Hersteller von Diecast-Modellen) verglichen. Diese und die zugrunde liegenden Hachette- (Hersteller von Diecast-Modellen) Modelle, die als Beipack zu Zeitschriften verkauft wurden, zeichnen sich durch erstaunliche Akkuratesse aus, auch wenn sie nur reine Curbside-Modelle sind (ohne Motor, ohne Detaillierung, z.T. nur mit flacher Bodenplatte). Bestenfalls noch mit reliefartiger Darstellung der Mechanik, selbst wenn es einen zu öffnenden Motorraum gibt. Kein Vergleich mit den Premium-Modellen von Franklin Mint (Hersteller von Diecast-Modellen). Die Unterschiede werden allerdings bei den Preisen sehr deutlich. So bin ich schon an einige meiner geliebten FIAT´s rangekommen. Der Vergleich zeigt, das Politoys Modell ist weitgehend identisch, etwas kürzer, mit flacherer Schnauze, aber noch in der Toleranz für den Maßstab 1:25.
Bei der Bestandsaufnahme, um das Modell stimmiger zum Vorbild zu machen, fallen folgende Punkte auf: Die Front ist ok, sogar die geteilte Stoßstange mit dem Bügel vom Fiat 500L ist korrekt. Das Heck auch, bis auf die Auspuffrohre und die mit einem Steg verbundenen, runden Heckleuchten, die vom Fiat 850 Sport Coupe stammen, d.h. sie stimmen, sollten aber einzeln sein. Seitlich ist ein Dreiecksfenster da. Die Umrandungen der Kotflügel müssen durch flachere Verbreiterungen ersetzt werden, da sie so niemals ein Einfedern erlauben würden. Der Motorraum ist ein tiefes Relief, dessen Plastikfüllung gut zu ergänzen ist. Das Problem ist die Bodenplatte, die zwar recht gut profiliert ist (manche alte Jo-Han Bausätze sind da auch nicht besser), aber ziemlich inakzeptable Buckel um die Achsen hat, offenbar um die damals gehypten Leichtlaufachsen vor kindlichem Aufdrücken zu schützen.
Somit ist klar, welche Aufgaben zu lösen sind und wir fangen mit den einfacher zu lösenden Aufgaben an: Die Kotflügelverbreiterungen sind hier in einem Rahmen zusammengefasst, der entgegen meinen Befürchtungen nicht Weichplastik, sondern Polystyrol ist, womit ich nach oben hin ein Relief in Stufen (Raum für den Freigang der Räder) aus den üblichen Modellbauprofilen aufbauen konnte, das dann mit etwas Spachtelmasse ansehnlich rund geschliffen wurde. Lackiert wurde wieder in Schwarz, da diese Verbreiterungen oft angeschraubt oder genietet waren, mit einem Gummikeder dazwischen. Ans Blech angeklebte und verspachtelte Kunststoffteile, wie bei den Tuningautos der 80er und 90er haben nach wenigen Jahren oft ziemlich hässliche Risse am Übergang gezeigt, im Original wie im Modell.
Der Motorraum war in erster Linie mit Lackierung zu detaillieren, Zündkabel, ein Fallstrom-Doppelvergaser mit Sportluftfilter sowie die gelbe Abdeckung des Zahnriemens für die Nockenwelle wurden ergänzt und ein paar andere Details und ein Reserverad, das die schmale Originalbereifung 145 R13 repräsentieren soll. Den Doppelvergaser kann man mit Stücken von Gußästen oder Profilen und Plastikschnitzel auch ohne teure Resinteile darstellen, wenn man sich ein Bild davon macht, wie sowas ausschaut.
An die Achsen kommen 1:25 Resin-Kompletträder eines leider mittlerweile nicht mehr existierenden britischen Anbieters, Ronal 185/70 R13, korrekt mit Vierloch-Befestigung. Gescheite Leute werden jetzt sagen, dass diese Räder für Ford Capri und Escort gedacht waren, aber so intolerant, daß ich in 1:25 den 98 mm-Lochkreis nachmesse, bin ich nicht. Außerdem gab es ähnliche italienische Räder, die oft am Fiat 128 zu sehen waren. Am Heck wurden die zusammenhängenden Leuchten in Einzelne geteilt und vorbildgerecht eingefärbt und die kleine Vertiefung für die Verbindung zur schnellen Montage mit einen Plastikstreifen aufgefüllt und verspachtelt.
Die Unterbodenplatte, wegen des Aufbaus des Modells nicht zu ändern - zumindest meiner Einschätzung nach nicht - war eine weitere Aufgabe. Es ist eine Gussplatte, gar nicht einmal so schlecht detailliert, aber im Bereich der Achsen mit seltsamen Hubbeln. Also, eine 2 mm-Plastikplatte nehmen, im Achsbereich vorsichtig biegen (dargestellte Böschungswinkel wie in der Gussplatte) und darauf das Plastik-Motor-Getriebe-Relief platzieren, dazu die Fußraumwannen, den Tank und einen Abarth- (Fiat-Tuning) Auspuff, der realistischer als die von Politoys angebrachten Rohre ist.
Die Radaufhängungen wurden scratch gebaut. Angeschraubt wie die Gussplatte hält sie glücklicherweise das Modell wieder zusammen. Mit einem Originalprospekt vom Fiat 128 Coupé wusste ich auch ungefähr, wie das ausschauen sollte. Vielleicht hätte man die Bodenplatte mit noch mehr realistischer Tiefe gestalten können, aber ich wollte endlich im Stehen eine glaubhafte Bodenfreiheit haben und war nach oben durch die erhaltene Modellstruktur begrenzt.
Die Räder sind zwar, wie bei meinen Plastik-Kit-Modellen, nicht drehbar, aber es sind zumindest Bremsscheiben, bzw. -trommeln drin, was die Diecast-Hersteller meist ignorieren.
Der Innenraum, bei ins Spielzeug ragenden, älteren Diecast-Modellen oft problematisch, war hier mit etwas Nachdetaillierung recht akzeptabel aufgearbeitet. Das Lenkrad ist dem Original nahe, wenn auch etwas kleiner im Durchmesser, aber für ein getuntes Autos ist das ja in Ordnung.
Die Polistil-Zusatzscheinwerfer waren zwar passend, gingen mir aber verloren. Als Ersatz wurden zwei Cibie- (franz. Hersteller von Scheinwerfern) Lampen aus Resin spendiert, in der damaligen Zeit ein gerne gewähltes, teures Upgrade.
Die Auswahl an Modellautos erstreckt sich mittlerweile in vielen Maßstäben. Näheres dazu ist zu lesen im Online-Kurs für Anfänger Teil II. „Bereiche und Maßstab“. Diecast-Modelle sind vertreten in den klassischen Maßstäben für Sammler 1:50; 1:43; 1:24 und 1:18 sowie im Bereich Spielwaren (und auch Sammler) in 1:64. Wenn man Diecast-Modelle mit Bausatzmodellen in einer Sammlung mischt und auch noch einen speziellen Maßstab bevorzugt, und dazu noch spezielle Varianten, muss man oft zum Umbau schreiten oder schlicht einiges verbessern (engl. Supering), um ein zur übrigen Sammlung passendes Modell zu haben. Das eigene Museum im Maßstab macht auch dann beim täglichen Anschauen viel Freude. So hat das oft von wahren Modellbauern etwas „scheel“ angesehene Diecast meine Sammlung um viele mir höchst sympathische Autos ergänzt, in dem Fall die drei Varianten des 1978 Fiat 128, der doch ein technischer Meilenstein war als viertürige Limousine, Coupé 1300SL und als 128 Rally. Es fehlt nur noch der Fiat 128 Familiale genannte Kombi.
Einige Zeit, lange nach der Fertigstellung meines Umbaues des Fiat 128 Rally, fand sich per Zufall im Internet sogar ein Original, das ziemlich meinem Modell entspricht - eine sehr schöne Bestätigung meiner eigenen Arbeit. EpilogFindet sich unter den Plastikbausätzen kein Modell zu einem bestimmten Vorbild, bietet sich als Option im Bereich der Diecast-Modelle ein entsprechendes Modell, das man umbauen oder supern kann: Modellautoträume wahr gemacht. Den Umgang mit dem Materialmix sind wir ja mittlerweile, auch von Plastikbausätzen, gewohnt und dank der heute verfügbaren Kleber und mit etwas Bedacht ist das auch problemlos beherrschbar. Diecast-Modelle sind oft preisgünstig oder finden sich auf Flohmärkten u.U. sogar in Spielzeugkisten als Relikte der eigenen Kindheit.
PS: Da kann man auch einmal ein ausgeflipptes Probestück versuchen, wie ich mit meinem Mercedes 450 SL von Nacoral in 1:24, aber das ist eine andere Geschichte. Happy Modeling!
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Making of Publiziert am 01. Februar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |