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London Bus

Die ganz persönliche Variante

von Frank Spahr (1:24 Revell)

London Bus

Wie alles anfing

Über den klassischen Routemaster Long, ein echtes Londoner Wahrzeichen, muss ich hier keine Worte verlieren. Das haben Berufenere als ich bereits getan. Auch der Bausatz von Revell ist gut vorgestellt worden, siehe die Quellenangaben am Schluss des Artikels. Hier und heute geht es um meine persönliche Variante des Themas.

Die Meinige und ich sind stadtbekannte Anglophile; im Sommer 2011 besuchten wir in London im Wyndham Theatre eine Vorstellung von „Much Ado about Nothing“ (Viel Lärm um Nichts), mit den Schauspielern Catherine Tate und Daid Tennant, die wir aus der britischen Kult – Fernsehserie Doctor Who kannten. Ein Versuch der Liebsten, nach der Vorstellung Autogramme zu bekommen, scheiterte im Dickicht eines Rudels Hartgesottener, die schon seit Stunden anstanden. Eine Erinnerung wollte die Meinige aber denn doch haben.

In jenem Jahr war der Bausatz des Routemasters herausgekommen, und noch im Urlaub kam mir die Idee, einen solchen Bus zu bauen und ihn mit einer Reklame für das Theaterstück zu verzieren. Von aller Vorbildtreue weit entfernt und unbeschwert, würde das ein sehr persönliches Erinnerungsstück werden. Ich machte ein paar Fotos am Theater, und einige Monate später erstand ich den Bus. Ich bekam sogar durch die Vermittlung eines Freundes den Revell-Ätzteilsatz dazu.

Das Wyndham, ein prächtiges edwardianisches TheaterHier ist kein Durchkommen - der Bühneneingang nach der VorstellungMehr war auch mit langem Arm und Tele nicht drin

Das Wyndham, ein prächtiges edwardianisches Theater

Das Wyndham, ein prächtiges edwardianisches Theater 

Baubeginn - und raus aus dem gewohnten Trott

Wie das so ist, ich zumindest brauche Abwechslung im Modellbau. Von daher hievte ich nach zwei großen Schiffsprojekten den mächtigen Karton in den Bastelkeller und legte los. Ich scannte die Decals und vermaß sie, um für unsere Privat-Decals die richtigen Abmessungen zu bekommen. Die Liebste wurde zart aufgefordert, jetzt doch einmal kreativ zu werden.

Ich begann derweil, den Bus zu bauen. Hierbei stützte ich mich stark auf die Vorgehensweise von Guido Kehder, wie er sie auf seiner Website und in ModellFan beschrieben hat. Abweichend von der Bauanleitung wurde die gesamte später rot zu lackierende Karosserie am Stück erstellt, so dass die Inneneinrichtung in mehreren Baugruppen ganz zum Schluss hineingefügt werden konnte. Das machte mir reichlich Kopfzerbrechen und Probleme, mir alles vorzustellen und zuzuordnen. Ich verbrachte einiges an Zeit über den vielen Baustufenfotos auf Guido Kehders Website, blätterte wie wild in der Bauanleitung herum und tat mich rundum schwer.

Im Englischen wird davon gesprochen, man müsse hin und wieder mal seine Comfort Zone verlassen, wir würden sagen, über den Tellerrand schauen, aber das trifft es nicht ganz. Es geht darum, etwas anderes zu tun als den gewohnten und eingefahrenen Trott, auch und gerade, wenn das unbequem und herausfordernd ist. Letzteres hatte ich bei diesem Projekt reichlich, und ich kann nur sagen, mein sowieso schon vorhandener Respekt vor Fahrzeugmodellbauern hat sich gefestigt und vertieft. Ich empfand diesen Bus als komplexer und herausfordernder zu bauen als mein letztes Schlachtschiffmodell, das sicherlich mehr und feinere Kleinteile hatte, aber bei dem deutlich weniger voneinander abhing und ineinander greifen musste. Zudem bin ich nie mit Klarsichtteilen warm geworden, und hier protzten mir drei volle Spritzrahmen davon entgegen.

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Nun ja. Die Karosserie ließ sich irgendwann zuordnen und bauen, und die Bauteile der Inneneinrichtung waren als solche auch nicht schwierig, aber es gab sehr viele davon und es dauerte eine ganze Weile. Ich habe neulich von einem britischen Modellbauer gelesen, der diesen Bus in einer Woche erbaut und nachher für lecker Geld online versteigert hat – da kann ich nur sagen: Hut ab! Ich brauchte einiges mehr an Zeit dafür. Die Ätzteile ließen sich recht gut verarbeiten und sehen gut aus, ich würde sie aber nicht als essentiell ansehen, vom Kühlergrill vielleicht einmal abgesehen, und der ließe sich auch aus anderen Quellen verfeinern.

Was die Bemalung angeht, richtete ich mich nach Guido Kehders Vorbild und der Bauanleitung; mir ist bewusst, dass es zahlreiche Ungenauigkeiten und Fehler am Bausatz gibt, die echten Bus-Enthusiasten den Schlaf rauben würden. Mir war das herzlich egal – hier war mir das Ziel wichtiger als der korrekte Weg. Hin und wieder vorgetragene Nachfragen bei der Liebsten nach dem Bearbeitungsstand der Decals trafen nicht auf uneingeschränkte Begeisterung, und es zeigte sich, dass das Projekt hier durchaus ins Stocken kommen könnte.

Aus schierer Ungeschicklichkeit patschte ich mit einem klebstoffverschmierten Finger zwei der Sitze im Oberdeck beim Einbauen an, und der Kleber machte trotz einer vermeintlichen Versiegelung mit Acryl-Klarlack kurzen Prozess mit dem Decal. Notgedrungen improvisierte ich zwei „liegen gelassene“ Zeitungen, eine mit Bezug auf David Tennant, die klein kopiert und über die Schäden drapiert wurden. Der Boden des Busses wurde ein wenig mit Ölfarben gealtert, aber im Ganzen habe ich das Fahrzeug ziemlich sauber gelassen.

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Der Motor ist schon aus dem Kasten nett anzusehen!Die Untergruppe wurde mit Vallejo-Acrylfarben lackiert.Die Felgen und Reifen wurden gealtert, um stimmiger zu wirken.Platzprobleme im BastelkellerÜberall SitzeWirklich überall!

Der Motor ist schon aus dem Kasten nett anzusehen!

Der Motor ist schon aus dem Kasten nett anzusehen! 

Zum Stress kam es, als ich versuchte, die fertig gestellten Baugruppen in die Karosserie einzubauen – diese riss an der linken Seite und ich fühlte mich plötzlich gar nicht so gut. Es folgte eine Reparatur und einiges an Schleifarbeit, um Hindernisse für den Einbau aus dem Weg zu schaffen. Ganz sicher war ich mir aber nicht, ob es im Ernstfall klappen würde.

In Sachen Decals ging ich den Weg, selbst etwas zu planen, das der Liebsten ein solcher Dorn im Auge war, dass sie sich selbst daransetzte und wirklich schöne Motive ablieferte. Natürlich war das Theaterplakat dabei, und auch Werbung für unsere liebsten britischen Fernsehserien. Es erwies sich als Glücksfall, dass es reichlich hochklassige Fan-Art zum Thema Doctor Who gibt. Ein tolles Poster zu einer Doppelfolge der Staffel mit Christopher Eccleston und eine herrliche Karikatur aller elf Doktoren füllten den Raum auf der rechten Seite optimal. Meine lebenslange Liebe zu Airfix-Produkten schlug sich in Form eines der ebenso klassisch-britischen „Keep Calm ...“ - Posters nieder, auch wenn das auf einem Revell-Kit eigentlich ein Sakrileg ist. Für die Vorderfront fanden sich schließlich Werbungen für Whisky (für mich) und Cider (für die Liebste).

Mein Freund Frank Ilse erklärte sich freundlicherweise bereit, die Decals mit einem Farblaserdrucker auf weiße Decalfolie zu drucken. Während ich darauf wartete, wurde der Bausatz soweit möglich vorbereitet. Die Karosserie wurde zuerst grau grundiert, dann mit roter Acrylfarbe gespritzt und schließlich mit hochglänzendem Klarlack aus der Spraydose behandelt, um einen guten Untergrund für die Decals zu haben. Die Radkästen und die Metallstreifen neben der Motorhaube wurden abgeklebt und entsprechend bemalt.

Der Aufgang bietet sich zur Erstellung als Baugruppe anDas fertige OberdeckUnter der Zeitung der Schaden, den der Klebstoff-Wurstfinger angerichtet hat.Das Unterdeck - etwas zu sehen die geätzten Ausströmer der HeizungDie Karosserie nach dem Lackieren mit Vallejo ModelAir rotDie Privat-Decals sind aufgebracht, die Inneinrichtung kommt jetzt nicht mehr heraus!

Der Aufgang bietet sich zur Erstellung als Baugruppe an

Der Aufgang bietet sich zur Erstellung als Baugruppe an 

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Als die Decals vorlagen, wurden sie möglichst bündig ausgeschnitten und dann aufgebracht. Das ging ziemlich gut, kleinere Macken wurden mit dem Pinsel retuschiert. Nun konnten auch die Bausatzdecals angebracht werden. Eigentlich zu früh wagte ich mich an den Einbau des Innenlebens.

Glücklicherweise kam es nicht zu Rissen in der Karosserie, aber es lösten sich (vermutlich durch die Spannung und leichte Verwindung beim Einsetzen) einige der Sitze und mussten wieder eingeklebt werden. Nun brachte ich auch die Bausatzdecals an und versiegelte sie alle mit hochglänzendem Klarlack.

Nachdem das erledigt war, wurden nach und nach die noch fehlenden Teile des Innenlebens hinzugefügt. Knifflig waren die Geländer zum Oberdeck, aber bedingt durch die gute Passung ließ sich auch das bewerkstelligen.

Jetzt musste ich mich an die zahlreichen Scheiben machen. Diese wurden jeweils an den Kanten mit einem Fasermaler schwarz eingefärbt, um die Gummidichtung anzudeuten, da ich zu faul war, alle Fensteröffnungen pinselnderweise zu umranden. Manche Scheiben mussten auch abgeklebt und lackiert werden.

Nicht glücklich war ich mit den Decals für die Richtungsanzeigeschilder. Diese sind so groß, dass sie die dafür vorgesehene Vertiefung ganz ausfüllen, passten sich aber auch bei Behandlung mit Micro Sol nicht gut genug an. So verfiel ich auf die Idee, sie an der Rückseite der entsprechenden Verglasungen anzubringen, was unterm Strich mir leichter fiel, auch wenn es wenig vorbildgerecht ist. Es musste noch einiges an Blinkern, Spiegeln, Handgriffen usw. angebracht werden, aber schließlich war alles erledigt und ich froh, mit dem Projekt fertig zu sein.

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Fazit

Unterschiedliche Themen im Plastikmodellbau erfordern unterschiedliche Fähigkeiten und Techniken; es war sehr interessant für mich, einmal ein solches Modell zu bauen. Ich ziehe den Hut vor den Kollegen, die solche Kits als Hauptthema haben, und freue mich auf mein nächstes Schiffsmodell!

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Quellen

Frank Spahr

Publiziert am 12. März 2013

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