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Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

(Tamiya - Nr. 61095)

Tamiya - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

Produktinfo:

Hersteller:Tamiya
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:61095 - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Preis:ca. 23 €
Inhalt:
  • vier dunkelgraue und ein transparenter Spritzling (107 Teile)
  • Bauanleitung
  • Extrablatt mit maßstäblicher Bemalungsanleitung
  • Bogen mit Sticker für seitliche Rumpfpanzerung
  • ein Decalbogen
  • zwei Polycaps für Steckverbindung des Propellers
  • ein Bogen mit Maskierungen für Kabinenhaube

Besprechung:

Original

Als im Frühjahr 1943 die Einflüge alliierter Bomber immer stärker zunahmen, war die deutsche Luftabwehr gezwungen, neue Wege zu gehen. Die Taktik der Bomberverbände war, im geschlossenen Verband in das Reichsgebiet einzufliegen, wobei die räumliche Verteilung der einzelnen Maschinen äußerst kompakt vertikal und horizontal gestaffelt wurde. Verbunden mit der sehr starken Abwehrbewaffung konnten sich die Bomber so gegenseitig decken und den sonst üblichen Angriff eines Jägers aus der hinteren Halbsphäre sehr erschweren. Die einzige Chance für einen Jäger einen Angriff auf solch eine "Combat-Box" halbwegs unbeschadet zu überstehen, bestand im Frontalangriff. Aufgrund der sehr kurzen Zeit für einen Ansatz von vorn, waren die Erfolge eher bescheiden. Versuche dieser Verbände beizukommen gab es einige. Als Beispiel sei hier die Einrüstung des drallstabilisierten Pulverraketengeschosses - 21cm BR (Bordrakete) genannt. Das Ziel bestand darin, den Verband außerhalb seiner Abwehrreichweite bekämpfen zu können. Die gewünschten Erfolge stellten sich mangels der Präzision des Geschosses nicht ein.

Eine weitere erfolgversprechende Idee war die des Major Hans Günther von Kornatzki. Seine Taktik bestand darin, mit schwer gepanzerten Jagdflugzeugen im dichten Verband die Bomberformation in klassischer Weise von hinten anzufliegen und auf kürzeste Entfernung mit konzentriertem Feuer die Bomberformation aufzulösen, um danach die Bomber einzeln zu bekämpfen. Die Idee war der Führung einen praktischen Versuch wert, und so stellte man im Oktober 1943 die Sturmstaffel 1 auf. Als Ausrüstung kam von vornherein nur die FW-190 in Frage. Die Bf-109 war für solche Manöver schon allein wegen ihres flüssigkeitsgekühlten Motors zu beschußempfindlich. So bildeten denn auch FW-190 A6 R2 den Flugzeugbestand der SS-1. Der Rüstsatz R2 bestand aus einer erweiterten Panzerung für, Motor, Kabine und Munitionsbehälter in den Tragflächen. Durch das zusätzliche Gewicht waren die Maschinen für den direkten Kampf Jäger gegen Jäger eher ungeeignet. Deshalb erhielten die "Sturmjäger" in der Regel Begleitschutz. Die Taktik zeigte Erfolg. Im Ergebnis wurde die Sturmstaffel 1 die Keimzelle für weitere, größere Einheiten (Gruppen in den Jagdgeschwadern JG-4, JG-3 ...), die mit dieser Taktik und dieser Ausrüstung im Einsatz standen. Der Rüstsatz R2 wurde für die Folgevarianten FW-190 A7 und A8 übernommen. Diese späteren Varianten wurden oft um den Rüstsatz R8 erweitert, welcher statt der 20mm MG-151 in den äußeren Tragflächen den Einbau von 30mm Maschinenkanonen MK-108 vorsah.

Die Piloten der insgesamt sehr schweren Flugzeuge hatten ständig das Bestreben das Gewicht der Maschinen in irgendeiner Weise zu verringern, um wenigstens ein Stück der ursprünglichen Agilität wiederzugewinnen. Teile der Panzerung und der Bewaffung wurden entfernt. Als entbehrlich erachtet wurden die seitlichen Panzerglasscheiben auf der Schiebehaube und die MG-131 (gegen eine B-17 oder B-24 nicht sehr wirkungsvoll, O-Ton Luftwaffe: Luftwaffenanklopfgerät) über dem Motor.

Modell

Tamiya - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

Tamiya hat den schon bekannten Kit der Jagdbombervariante FW-190 F8 um einige Teile ergänzt erneut aufgelegt, um den Bau der Variante des schweren Jägers zu ermöglichen. Bemerkenswert ist, das eine ganze Anzahl von Modellbauern den Ursprungsbausatz der F8 nutzten, um daraus die Jägervariante A8 (um)zubauen. Wahrscheinlich ist diese Tatsache den Marktforschern bei Tamiya entgangen, anders läßt sich die lange Pause zwischen dem Erscheinen der F8 und der A8 fast nicht erklären. Nun denn, der Kit ist sehr gelungen, und trifft die Proportionen des Originals sehr gut. Daran ändert auch ein Vergleich mit Rissen aus der hervorragenden Publikation von Kagero nichts, der hier und da kleinere Abweichungen zeigt. Ob nun aber der Riss oder das Modell näher am Original ist, läßt sich schwer beurteilen. Einzig die allseits bemängelten zu kleinen Räder fallen auch Nicht-Nietenzählern auf und sollten ersetzt werden. Entweder man nutzt die Teile aus Kits der Konkurenz (Dragon, Trimaster, Revell, Eduard...), oder man bedient sich bei der Zubehörindustrie, z.B. True Details, CMK oder Aires. Damit sind wir mit den "Conc" des Kits aber auch schon fast durch. Kommen wir also zu weiteren "Pros". Die Aufteilung des Kits und die Qualität der Abspritzung sind absolute Spitze. Im Gegensatz zum neuen Kit von Eduard zum gleichen Thema läßt sich das Modell von Tamiya auch von einem nicht sehr erfahrenen Modellbauer zu einem ansehnlichen Ganzen zusammenbauen. Das liegt zum einen an der Einfachheit der Aufteilung und zum anderen an der Sauberkeit der Teile und deren erstklassige Passgenauigkeit (der Autor machte diese Erfahrungen beim Bau der FW-190 A3 vom selben Hersteller). Der Profi hat mit diesem Kit eine sehr gute Ausgangsposition für weitergehende Projekte zu Varianten des "Butcher Bird". Alle im ersten Abschnitt genannten Rüstsätze und Umbauten finden in diesem Kit ihre Berücksichtigung. Das beginnt bei der sichtbaren Rumpfpanzerung, geht über optionale Flächenwaffen (MG-151 oder MK-108), weiter über die wahlweise entfernten oberen Rumpf-MG, mit oder ohne verdeckte Schußkanäle, bis hin zur zusätzlichen Panzerverglasung (ebenfalls optional). Von der F8 hat der Bausatz die Bauteile für die ungelenkten Raketen R4M geerbt. Kein Nachteil, wird so die Restekiste ergänzt. Eine Besonderheit sind die "Bauteile" für die Rumpfpanzerung im Kabinenbereich. Diese liegen als Aufkleber bei. Man sollte diese vielleicht doch besser als Schablone für eine Neuanfertigung verwenden, als sie tatsächlich so auf dem Modell anzubringen. Der Klebstoff wird wahrscheinlich nicht aushärten, und welche Konsistenz er nach Jahren annimmt, möchte man wohl nicht am fertigen Modell testen. Die Alternative wäre gewesen, die Panzerplatten herstellerseitig in der Spritgußform zu berücksichtigen, und sie direkt am Rumpf anzuformen.

Eine weitere Zugabe stellen die Masken für die Haube dar. Diese sind aus dem selben Material wie das bekannte gelbe Tamiya-Tape. In diesem Punkt war wahrscheinlich Eduard eine Inspiration, liegen hier doch quasi "schon immer" Masken bei. Die Tamiya-Masken müssen allerding noch geschnitten werden, sind also nicht, wie beim "Ideengeber", vorgestanzt.

Immer wieder ein gute Idee sind die kleinen Polycaps, mit denen der Propeller über eine Steckverbindung am Modell befestigt werden kann. Ist man doch so etwas variabler, wenn es um den Transport des Modells geht.

Tamiya - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

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Tamiya - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

Zum Thema Abziehbilder – die wohl am besten dokumentierten FW-190 A8 R2/R8 finden sich hier wieder. Insgesamt sind es fünf Varianten. Der Druck ist perfekt, kein Versatz und satte Farben. Die Formen der einzelnen Zeichen halten einem Vergleich mit Fotos stand. Der Trägerfilm ist für Tamiya typisch etwas dick, hier könnte man herstellerseitig etwas tun.

Tamiya - Focke Wulf FW 190 A8 / A8 R2

Darstellbare Maschinen:
  • "Raubautz VII" Rote 1 - Leutnant Klaus Brettschneider - 5. JG 300
  • Doppelwinkel - Hptm. Wilhelm Moritz, IV / JG 3
  • "Pimpf" Rote 8, Uffz. Matthias Erhard, 5. JG 300
  • "Kölle Alaaf" Rote 19- Uffz. Ernst Schröder - 5. JG 300
  • Schwarze 8 - Uffz. Willi Maximowitz - 11. JG 3
Stärken:
  • Sehr stimmige Form
  • Einfachheit der Aufteilung der Bauteile
  • Sehr saubere Asuführung des Spritzgusses
  • Auswahl der Abziehbilder
Schwächen:
  • Zu kleine Räder des Hauptfahrwerkes
  • Trägerfilm der Abziehbilder zu dick
Anwendung:

Für den Einsteiger sehr gut geeignet, verspricht dieser Bausatz doch schnell ein gutes Ergebnis. Der ambitionierte Modellbauer hat mit diesem Kit ein gute Grundlage für diverse Varianten.

Fazit:

Auch wenn Eduard einen niegelnageleuen Kit der FW-190 entwickelt hat, der in Fragen des Formenbau und der erreichbaren Detailliertheit neue Maßstäbe setzt, so hat der hier besprochene Kit von Tamiya seine volle Daseinsberechtigung und gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Ist er doch in einigen wichtigen, weil formgebenden Details näher am Original. Das betrifft vor allem solche Baugruppen wie Motorverkleidung, Propellerspinner und -blätter. Eine Korrektur dieser Bauteile beim Eduard-Kit gestaltet sich doch etwas anspruchsvoller als das bloße Tauschen der etwas zu kleinen Räder und Korrektur der Winkligkeit der Fahrwerksbeine bei Tamiya.

Weitere Infos:

Referenzen:
  • Focke Wulf Jagdflugzeug – Peter Rodeike – ISBN 3-923 457-44-8
  • Sturmjäger Band 1 – Eric Mombeek
  • Focke Wulf FW 190 vol. I – Krzysztof Janowicz – ISBN 83-89088-11-8

Diese Besprechung stammt von Kai Röther - 23. Januar 2007

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